Frasier 3x18

Transkript der Folge "Schach dem König" [#3.18]

Deutsches Transkript erstellt von Michaela Götte

Bei diesem Skript handelt es sich nicht um ein Originaldrehbuch, sondern um die Mitschrift der TV-Version dieser Folge!

Originaltitel: Chess Pains
Ausstrahlung: 26.03.1996
Deutscher Titel: Schach dem König
Ausstrahlung: 28.03.2000
Buch: Rob Greenberg
Regie: Gordon Hunt

Darsteller

Kelsey Grammer [Frasier Crane]
Peri Gilpin [Roz Doyle]
David Hyde Pierce [Niles Crane]
John Mahoney [Martin Crane]
Jane Leeves [Daphne Moon]
Moose [Eddie]


Gastdarsteller

Luck Hari [Kellnerin]


Inhaltsangabe
Frasier verliert gegen seinen Vater eine Schachpartie nach der anderen. Auch Niles Erklärung, dass hier das "ödipale Muster" am Werk ist, beruhigt ihn nicht. Erst in einer letzten Partie, als es um viel Geld geht, ist Frasier das Glück wieder hold. Doch die Selbstzweifel bleiben ... [Text: Sat.1]

Akt 1

Szene 1 – Frasiers Apartment

Am Abend. Niles sitzt mit geschlossenen Augen am
Esstisch.

Frasier: Hast du die Augen zu?

Niles: Was ist es?

Frasier stellt ein herrlich gearbeitetes, antikes Schachspiel auf den Tisch.

Frasier: Das hat mein Antiquitätenhändler für mich aufgetrieben. Voilá! [Niles 
öffnet die Augen und starrt das Spiel an]
Paris, 1882! Entworfen von Francois Blon, während seiner Zeit an der École de Bozoir!

Niles: Mon Dieu! Es ist absolut atemberaubend! Ich...bin...atemlos! [keucht] Ich krieg’ keine Luft mehr.

Daphne kommt aus ihrem Zimmer ins Wohnzimmer.

Daphne: N’abend Dr. Crane.

Frasier und Niles sagen „Hallo" zu Daphne.

Frasier: Wie wäre es mit einer kleinen Partie, Niles?

Niles: Ich, ähem kann nicht. Es macht mich zu melancholisch.

Frasier: Ach, ja?!

Niles: Maris und ich haben jden Donnerstagabend Schach gespielt. Oh, wie sehr sie das Schach liebt.

Frasier setzt sich und beginnt die Schachfiguren zu polieren.

Frasier: Kein Wunder. Der König darf fast nichts, während die Königin sich alle Freiheiten nimmt.

Daphne: Wie kommen Sie so zurecht, Dr. Crane?

Niles: Oh, ich denke ganz gut.

Daphne: Sie fühlen sich bestimmt einsam, oder?

Niles: Nur... manchmal, wenn ich allein bin. Aber auch, wenn ich mit
anderen Leuten zusammen bin.

Daphne: Mir steht es möglicherweise nicht zu Ihnen das zu raten, aber Ihnen fehlt vielleicht ein bisschen Gesellschaft in ihrem Apartment. Ein warmherziges, freundliches Wesen, das abends auf Sie wartet.

Niles: Na ja, mein Dad würde Sie vermissen.

Daphne: [lacht und schlägt ihn auf den Arm] Oh, Dr. Crane!

Niles: [lacht und schlägt sich selbst] Ich böser! Aua.

Frasier boxt Niles am Arm, damit er damit aufhört.

Daphne: Ich finde, Sie sollten sich einen Hund anschaffen. Hunde sind wunderbare Hausgenossen. Sie wissen doch, wie sehr Eddie Ihrem Vater am Herzen liegt.

Frasier sieht mürrisch aus und schüttelt bei dem Gedanken an Eddie den Kopf.

Daphne: Oh, es gibt nichts Schöneres als die bedingungslose Hundeliebe. Allein die überwältigende Freude, wenn er Sie an der Tür begrüßt. Es ist eine der dankbarsten Beziehungen, die ein Mensch überhaupt nur haben kann.

Eddie kommt herein. Er hat seine Leine im Maul.

Daphne: [zu Eddie] Schon wieder? Wenn du schon aus der Toilette trinkst, kannst du eigentlich auch gleich lernen draufzugehen. [sie leint Eddie an; zu Niles] Haben Sie nicht Lust, mich zu begleiten? Probieren Sie doch einfach die Leine zu halten.

Niles: [nimmt die Leine] Ich glaube, das kann ich.

Niles und Daphne gehen zur Tür.

Niles: Wissen Sie, Daphne, vielleicht ist die Idee mit dem Hund gar nicht so verkehrt. Ich fühl’ mich schon viel weniger einsam.

Niles schlägt die Tür hinter sich zu und klemmt die Leine darin ein, Eddie ist in der Wohnung gefangen. Niles öffnet die Tür nochmals.

Niles: Hopp, Hopp! Komm, mach schon! Na los.

Sie gehen. Martin kommt aus seinem Zimmer.

Frasier: Hallo, Dad. Schon mein neues Schachspiel gesehen?

Martin: Oh ja, ist sehr schön.

Frasier: "Schön?" Die Intarsien sind aus demselben Marmor gemacht, wie der Hadrianspalast in der Nähe von Tivoli.

Martin: Wirklich? Das müssen wir mit einem Gebräu aus bestem kristallklarem Wasser aus den majestätischen Colorado Rockies feiern.

Er geht in die Küche und holt Bier.

Frasier: Guter Witz, Dad. Wie wär’s mit einer Partie?

Martin: Nein, ich hab’ keine Lust.

Frasier: Och, bitte, Dad. Du kannst doch spielen, oder?

Martin: Na ja, Daphne hat es mir mal gezeigt. Aber eigentlich spiele ich lieber Dame.

Frasier: Och, ich bitte dich. Schach ist besser als Dame. Komm schon, Dad es ist ganz neu. Niemand spielt sonst mit mir!

Martin: Na schön, dann bringen wir es mal hinter uns. [setzt sich gegenüber von Frasier an den Tisch und rückt sich den Stuhl zurecht] Den Leuten im Park scheint es ja immer viel Spaß zu machen. Sie essen belegte Brötchen, paffen Zigarren, manchmal streiten sie auch richtig miteinander, ja.

Frasier: Dann lass uns einfach friedlich anfangen und sehen wir mal wie’s weitergeht.

Frasier beginnt mit dem ersten Zug.

 

~*~

 

Später.

Das Spiel ist fast beendet. Frasier zieht.

Frasier: Dein Zug.

Martin zieht ohne viel zu überlegen.

Frasier: Nicht, Dad. Bitte, du kannst dir viel Zeit lassen. Als Anfänger kannst du ruhig länger überlegen, eine Strategie planen, das ist normal. Ich setze dich nicht unter Druck und umkreise dich auch nicht wie einen Geier. Du kannst mir jede Frage stellen, die dich bewegt.

Martin: Ist das nicht schachmatt?

Frasier: [guckt auf das Spiel] Ja, sieht so aus!

Martin: Ich habe also gewonnen?

Frasier: Ja, klar.

Martin: Ja, gewonnen! Was sagst du dazu?

Frasier: Na ja, fairerweise muss ich anmerken, dass ich abgelenkt war, weil ich auch deine Spielzüge ständig überwachen musste, aber... Touché! Wie wär’s mit einer Revanche?

Martin: Nein, ich will’s nicht gleich übertreiben. Danke.

Frasier: Aber... okay Dad, ich verstehe.

Beide stehen auf. Frasier holt eine kleine hölzerne Schachtel und beginnt die Figuren einzupacken.

Martin: Mein Junge, was? Du hast fast alle deine Krieger verloren.

Frasier: Bauern, Dad.

Martin: Entscheidend war aber, dass ich das Ding da ausschalten konnte.

Frasier: Das Ding ist ein Turm.

Martin: Ah-ha. Der richtige K.O.-Schlag war, als ich dein Pferdchen kaltstellen konnte.

Frasier: Können wir das überspringen, Dad?

Martin: Okay, als ich den Springer kaltstellte.

Frasier: Ich meine die Sache heute einfach vergessen?

Martin zuckt die Achseln und geht in sein Zimmer. Frasier packt ärgerlich die Figuren ein.

~*~

 

VIELLEICHT IST ES EINSCHIMPFWORT AUFSUAHELI

 

Szene 2 – Café Nervosa

Frasier sitzt an einem Tisch, vor sich ein kleines Schachspiel, auf dem er das gestrige Spiel nachstellt. Roz setzt sich zu ihm.

Roz: Hallo, Frasier.

Frasier: Oh, hallo Roz.

Eine Kellnerin kommt an den Tisch.

Roz: Oh, ein doppelten Café Latte, ein Stück Pecanusstorte mit einer Extra-Portion Eiscreme.

Kellnerin: Darf’s noch was sein?

Frasier: Bitte ein Blutdruckmessgerät?

Roz: Ich bin heute etwas nervös, okay?

Frasier: Oh, wirklich? Ärger mit dem Liebesleben?

Roz: Ich bin nicht so lasterhaft, ist das klar? Es geht um meine Haare. Ich habe heute Nachmittag einen Termin bei Nage.

Frasier: "Nage?"

Roz: Er ist der heißeste Hairstylist in Seattle.

Frasier: "Nage?"

Roz: Ach, ich finde einfach kein Gesprächsthema mit ihm. Während er die Haare schneidet denke ich ständig darüber nach was ich sagen soll!

Frasier: Wie wäre folgendes als Eisbrecher? „Sagen Sie Nage, woher haben Sie diesen blödsinnigen Namen?"

Roz: Sie sollten ihn mal mit seinen anderen Kundinnen sehen. Da wird ständig gelacht und sich wunderbar amüsiert. Ich komme rein, setze mich und alles schweigt. [nimmt eine Zeitung] Vielleicht steht ja hier was drin, was ihn halbwegs interessieren könnte. [liest] Oh, wow, das ist bestimmt was. Eine Frau in Italien hat ein 19-Pfund schweres Baby geboren!

Frasier: Oh mein Gott.

Roz: Das ist kein Witz. Die wird sich nicht so bald wieder auf ihre Vespa schwingen können.

Frasier: So hat er es geschafft.

Roz: Wovon reden Sie überhaupt?

Frasier: Mein Vater hat mich gestern im Schach geschlagen und mir wird gerade klar, das es nur ein dummer Zufall war. Er ist in den Panow-Botwinnik Angriff geraten!

Roz: Oh, Frasier. Ich finde, das -

Frasier: Ich kann Ihnen gar nicht sagen wie erleichtert ich bin. Mein Gott jetzt hat das Leben wieder einen Sinn für mich!

Roz: Frasier, Sie übergehen einfach mein Problem mit Nage?!

Frasier: Ja, und es wär noch einfacher, wenn Sie aufhören würden darüber zu reden.

 

~*~

 

AN WEN ERINNERT MICH DIESES TIER?

 

Szene 3 – Frasiers Apartment

Am Abend. Es klingelt an der Tür und Frasier öffnet die Tür. Es ist Niles.

Frasier: Hallo, Niles.

Niles: Hallo, Frasier.

Frasier: Was verschafft mir das Vergnügen?

Niles: Ich habe mir Daphnes Hinweis von neulich zu Herzen genommen, das ich nach meiner Trennung von Maris Gesellschaft brauche. Deswegen habe ich mir eine neue Lebensgefährtin gesucht.

Niles tritt ein, gefolgt von „Mädchen" einem dürren Whippet mit gebogenem Rücken, dünnen Beinen und blau-weißem Fell.

Niles: Ich kann es mir zwar nicht erklären, weil ich kein Hundekenner bin, aber diese besondere Züchtung hat etwas an sich, was mir tröstlich und vertraut vorkommt. Verblüffend, oder nicht?

Frasier: Mmm, erstaunlich.

Niles: Ich-ich bin ganz zufällig in dem Tierladen gewesen und hatte nicht vor, mir etwas zu kaufen. Der Verkäufer zeigte mir ein paar allzu offenherzige Welpen, als ich einen hochmütigen kleinen Schniefer aus einem Käfig in der Ecke hörte und da war sie!- [zu Mädchen] Sitz, Mädchen, sitz! [Mädchen rührt sich nicht] Na gut. Komm, ja komm. [zu Frasier] Sie ist ein bisschen reizbar, aber sie ist auch schrecklich wohlerzogen. Als ich versuchte sie zu streicheln, wollte sie nichts davon wissen.

Frasier: Mich überrascht, das nicht schon jemand vor dir das Schnäppchen gemacht hat.

Niles: Tja, weißt du, der Verkäufer hat mir gesagt, es liegt daran, dass niemand die Verantwortung für ihre Nervenmedizin übernehmen will.

Niles setzt sich auf die Couch. Mädchen springt neben ihn auf die Couch.

Niles: Oh, nein, nein. Nicht auf die Couch. Runter, runter! [Mädchen bleibt sitzen] Na gut.

Martin und Daphne kommen aus ihren Zimmern dazu.

Martin: Tag, Niles.

Niles: Hallo, Dad.

Martin: [bemerkt Mädchen] Großer Gott, was ist das?

Niles: Das ist mein Hündchen, meine neue beste Freundin.

Frasier: Als Niles sie in einem Tierladen sah, verspürte er eine unerklärliche Anziehung.

Martin: Man sieht ja die Rippen!

Frasier: Hinweis Nummer eins.

Niles: Daphne, das… das verdanke ich nur Ihnen.

Daphne: [lacht nervös] Och, nicht doch Dr. Crane, erzählen Sie jetzt bitte nicht überall herum, ich sei dafür verantwortlich.

Niles: Tja, ich glaube, wir sollten jetzt nach Hause gehen. [steht auf] Na los, komm Mädchen, komm! [Mädchen rührt sich nicht] Na gut. [hebt sie hoch und trägt sie zur Tür] Dann trage ich dich eben. Der harte Asphalt der Stadt ist schädlich für ihre zarten kleinen Füßchen. Deshalb müssen wir jetzt nach Hause, um ihre Ballen mit Bimsstein abzureiben.

Niles geht. Martin, Frasier und Daphne starren ihm entgeistert hinterher.

Daphne: Bin ich die Einzige, die...

Frasier/Martin: Nein.

Daphne: Weiß Dr. Crane eigentlich, was er da...

Frasier/Martin: Nein.

Daphne schüttelt den Kopf und geht in ihr Zimmer.

Frasier: Ach, äh Dad, kann ich dich vielleicht zu einem eiskalten Bierchen überreden?

Martin: Ja, das klingt gut.

Frasier: Vielleicht leiste ich dir sogar Gesellschaft. Ich habe hier ein paar Speckchips und etwas von dem köstlich cremigen Zwiebeldip!

Martin: Oh, etwa das mit den sieben Gewürzen?

Frasier: Du kannst ruhig nachzählen!

Frasier stellt ein Tablett mit zwei Bierdosen, dem Dip und einer Schale mit Chips auf den Tisch. Dann geht er noch mal in die Küche zurück.

Martin: Oh, das ist ja toll! Alles meine Lieblingssachen... willst du mich ins Altersheim abschieben?

Frasier: [aus der Küche; lacht] Red’ doch keinen Unsinn! Aber wenn ich es je tun müsste, wäre es nicht toll, wenn du dann Schach spielen könntest, na?

Frasier kommt aus der Küche, das Schachspiel in der Hand. Martin erkennt, dass er überlistet wurde.

 

~*~

 

Einige Zeit später.

Frasier ist am Zug. Er setzt die Figur sehr langsam und entfernt dann einen Finger nach dem anderen von der Figur, solange, bis nur noch ein Finger auf der Figur liegt. Martin greift nach einer Figur.

Frasier: Halt-halt-halt. Das gilt erst als Zug, wenn sich mein Finger von der Figur vollständig gelöst hat.

Martin: Und wieso dauert das so lange?

Frasier: Ich analysiere meine Möglichkeiten. Anders als du mit deinen Schnellschüssen, arbeite ich eine Strategie aus, wie ein General, der seine Truppen in die Schlacht führt.

Frasier nimmt den Finger weg. Martin zieht.

Martin: Schachmatt, Napoleon.

Frasier sieht misstrauisch aus. Martin verschränkt die Arme hinter dem Kopf und grinst.

Frasier: Oh man, das war hervorragend. Du-du kriegst langsam wirklich ein Gefühl für das Spiel, Dad!

Martin: Ja, und ich dachte immer Schach zu spielen sei schwer. [steht auf] Also, ich gehe jetzt.

Frasier: Setz dich alter Mann, du gehst nirgendwo hin.

Martin seufzt und setzt sich wieder.

 

~*~

 

Einige Zeit später.

Frasier sitzt immer noch vor dem Schachbrett und rauft sich die Haare. Martin sitzt in einem Sessel und albert mit Eddie herum.

Daphne: [aus der Küche] Mr. Crane, könnten Sie mir beim Abwasch helfen?

Martin: Ich kann nicht, ich spiele Schach mit Frasier!

Frasier zieht, nachdem er den Kopf in den Händen gewiegt hat.

Frasier: Na endlich, meine Geduld wird belohnt, die Falle ist gestellt. Ich wusste, dass dieser Augenblick kommt!

Martin: Der kommt in jedem Spiel.

Martin kommt zurück an den Tisch, sieht kurz auf das Spiel, zieht und wendet sich zum Gehen.

Martin: Schachmatt. So, das war’s die Show ist vorbei, Leute. Weitergehen, hier gibt’s nichts mehr zu sehen.

Frasier: Hör mal, Dad, wir —

Martin: Nein, nein ich spiele nicht mehr, ich bin müde, ich gehe jetzt ins Bett.

Martin geht in Richtung seines Zimmers.

Frasier: Okay. [kichert] Ich schätze... ich schätze ich habe für heute auch genug. Na Dad, das war doch eigentlich eine ganz gute Idee, das mit dem Schach, findest du nicht?

Martin: Ja, gute Nacht.

Frasier: Oh ja, geh’ ruhig, geh’ schon schlafen. Ich – ha - ich muss da noch was Dringendes erledigen...

Frasier, immer noch kichernd, nimmt ein Kissen von der Couch, öffnet die Balkontür und geht hinaus auf den Balkon. Nachdem er die Tür hinter sich geschlossen hat, presst er das Kissen vor sein Gesicht und heult hinein.

 

~*~

Akt 2

Szene 4 – Café Nervosa

Roz steht am Tresen und trinkt Kaffee. Frasier kommt herein.

Roz: Hey, Frasier!

Frasier: Hallo, Roz.

Roz: Ich habe eine tolle Neuigkeit! Mein Termin bei Nage konnte wirklich nicht besser laufen.

Frasier: Was ist der Grund für diese wundersame Veränderung?

Roz: Mir fiel ein, dass Hairstylisten auf Klatsch über Prominente abfahren. Und da dachte ich „Hey, ich kenne doch einen Prominenten: Sie!"

Frasier: [mißtrauisch] Und was haben Sie ihm über mich erzählt?

Roz: Na ja, es kann sein, dass er den Eindruck gewonnen hat, das Sie - [lacht verlegen] — also das wird Ihnen gefallen – und zwar das Sie, möglicherweise... früher mal... eine Frau waren. Sie sind mir doch nicht böse?

Frasier: Böse? Wieso denn böse? Ich kenne doch den geheiligten Kodex des Schweigens, auf den alle Frisöre eingeschworen sind.

Roz: Na schön, ich werd’ Nage umpolen.

Frasier: So? Wenn Ihnen das gelingt, haben Sie wirklich was zu erzählen.

Roz geht. Niles kommt herein.

Niles: Ja, hallo. [Frasier: „Niles"] [zur Kellnerin] Einen doppelten Cappuccino, bitte.

Frasier: Ja, für mich bitte auch. [zu Niles] Hör mal, Niles, ich muss mit dir über Dad reden, hm?!

Niles: Oh ja, wie geht es dem Bobby Fischer aus dem geriatrischen Kreis?

Sie setzen sich an einen Tisch.

Frasier: Tja, er schlägt mich nach wie vor. Ich... ich sag’ dir Niles, ich begreife das nicht. Ich bin doch der bessere Spieler.

Niles: Ich kenne da ein Sprichwort: „Im Leben eines jeden Jungen kommt
der Augenblick der größten Freude und des größten Kummers, wenn er seinen Vater zum ersten Mal besiegt."

Frasier: Wenn das heißen soll, ich hätte Angst davor Dad zu besiegen, dann erspare mir den Rest.

Niles: Die andere Möglichkeit ist, er ist besser als du.

Frasier: Noch mal das davor?

Die Kellnerin bringt den Kaffee, Frasier und Niles bedanken sich.

Niles: Früher oder später stellt der Sohn den Vater in den Schatten, das ist nur natürlich. Jedoch gestaltet sich das oft problematisch, weil eine Begleiterscheinung des Konkurrenzverhaltens des Sohnes enorm starke Schuldgefühle sind.

Frasier: Ich verstehe. Ja, das ist der klassische ödipale Konflikt. Auf einmal ist es ganz offensichtlich. Ich habe ihn gewinnen lassen! Niles, ich danke dir vielmals, ich kann dir nicht sagen, wie erleichtert ich bin. Es ist als wäre eine Last von mir gefallen, von jetzt an kann mich nichts mehr aufhalten. Noch heute stürzt vor mir der König!

Niles: Bravo!

Sie prosten sich mit ihren Kaffeetassen zu.

Niles: Dir ist klar, dass wenn du Dad entthront hast, du an der Reihe bist und von Frederick entthront wirst und das Einzige, was danach kommt der Tod ist. Aber das zu anderer Zeit und bei einem anderen Kaffee.

Frasier sieht ihn missbilligend an.

 

~*~

 

Szene 5 – Frasiers Apartment

Am späten Abend. Frasier und Martin sitzen am Tisch und spielen Schach. Frasier ist wach und motiviert, Martin ist müde und kann kaum seine Augen offen halten. Frasier zieht.

Frasier: Dad? Dad, wach auf, du bist dran.

Martin: [wacht auf; schläfrig] Oh, entschuldige... [zieht] Schachmatt. So, ich bin jetzt im Bett.

Frasier: Och, komm schon, Dad nur noch eine Partie.

Martin: [steht auf und geht] Nein, ich kann kaum noch die Augen offen halten!

Martin geht in sein Zimmer. Frasier steht auf und geht in Richtung Couch. Dort wählt er ein Kissen aus, nimmt es hoch, knetet es durch und legt es zurück auf die Couch. Dann streicht er noch mal darüber, fängt dann aber an, auf das Kissen einzuschlagen. Daphne kommt mit einem Wäschekorb unter dem Arm herein und sieht Frasier. Frasier hört auf, auf das Kissen einzuschlagen, schüttelt es kurz durch und legt es zurück auf die Couch.

Daphne: Schon wieder im Schach verloren, was?

Frasier setzt sich erschöpft auf die Couch. Daphne nimmt eine Socke aus ihrem Korb und streift sie sich über den Arm.

Daphne: Wissen Sie, wenn einer meiner Büder im Fußballspiel verloren hat, dann war er auch immer ganz down und am Boden zerstört. Aber ich konnte ihn jedes Mal wieder zum Lachen bringen. Ich hab’ mir eine kleine Puppe gemacht, so... [bewegt die Lippen der Puppe und spricht mit tiefer Stimme] Hallo, Daphne, was liegt denn an? [ihre Stimme] Oh, hallo Freddy. Mein Freund, Dr. Crane hat heute eine ganz schön miese Laune. [Freddy] Oh-ho! Was kann ich denn da tun? [Daphne] Wie wär’s wenn du ihm was vorsingst? [Freddy] Eine fabelhafte Idee. [hält die Puppe vor Frasiers Gesicht und singt] Wer hat denn so schlechte Laune hier? Ich wundere mich auch, also sing’ mit mir! Singen Sie mit, Doc! Wer hat denn so schlechte Laune -

Frasier umfasst Daphnes Finger und hält sie fest.

Frasier: Daphne, ich ließe mir lieber von einer Tarantel Eier in meine Ohren legen, als auch nur noch einen Ton von dieser Puppenshow zu hören. Haben wir uns verstanden?

Er bewegt den Kopf der Puppe um „Ja" zu signalisieren.

 

~*~

 

SCHACHZWÄNGE

 

Szene 6 – Frasiers Apartment

Es ist spät in der Nacht. Frasier geht im Morgenmantel auf Martins Zimmer zu. Vor der Tür zögert er kurz, öffnet dann aber doch die Tür und schaut hinein. Martin schläft fest, Eddie an seiner Seite.

Frasier zieht sich zurück, öffnet die Tür erneut und drückt mit der Hand auf den Lichtschalter. Er macht das Licht mehrmals an und aus und schließt die Tür dann wieder. Als Martin immer noch nicht erwacht, stürmt er ins Zimmer, aber Martin schläft immer noch.

Frasier: [flüstert] Eddie! Wach auf! Bell mal, Eddie! Mistvieh!

Eddie schläft weiter.

Frasier geht wieder aus dem Zimmer und nimmt aus der Anrichte im Flur eine Packung Streichhölzer. Kichernd zündet er ein Streichholz an, bläst es aus und hält das noch rauchende Streichholz an den Feuermelder. Der Feuermelder geht los und piept laut. Frasier verschwindet schnell in seinem Zimmer.

Martin kommt aus seinem Zimmer gelaufen, Eddie hat er auf dem Arm. Er schlägt mit seinem Stock gegen Frasiers Zimmertür.

Martin: Feuer! Feuer, es brennt! Daphne! Frasier! Feuer! Feuer!

Frasier stürzt aus seinem Zimmer.

Frasier: Was ist denn los?!

Martin: Der Feuermelder ist losgegangen, aber ich kann gar kein Feuer entdecken!

Daphne: [kommt
herbeigeeilt]
In meinem Zimmer brennt es auch nicht!

Frasier: Alles in Ordnung! [lacht] Mein Fehler, falscher Alarm. Ich hätte schon längst die alten Batterien austauschen sollen. Weiter ist nichts passiert. [stellt den Alarm aus]

Daphne: Die Batterien? Aber Feuermelder gehen doch nicht los, wenn die Batt —

Frasier: Ab ins Bett!

Martin: Na Gott sei Dank. Also dann, bis morgen früh.

Martin geht zurück in sein Zimmer und legt sich ins Bett. Frasier folgt ihm.

Frasier: Dad, hör mal... da wir schon... schon einmal auf sind... dachte ich mir, wir könnten doch, ich weiß nicht, etwas unternehmen?

Martin: Was willst du?

Frasier: So ganz spontan fällt mir ein, na ja, spielen wir doch etwas Schach?

Martin: Jetzt?

Frasier: Na klar, wir sind doch beide putzmunter!

Martin: Das glaube ich ja nicht, du hast also den Alarm ausgelöst!

Frasier: Dad, ich-ich werde doch nicht -

Martin: Bist du noch zu retten? Du mit deinem dämlichen Revanche-Tick. Bloß weil du nicht verlieren kannst, musst du das ganze Haus aufwecken und uns alle zu Tode erschrecken?

Frasier: Natürlich nicht, es hätte auch nicht so weit kommen müssen, wenn dieser verdammte Hund endlich lernen würde zu sprechen! [Eddie bellt] Jetzt brauchst du es auch nicht mehr zu tun! Dad, was würde eine Partie schaden, da du jetzt doch so aufgewühlt bist. Mein Gott, du kannst doch sowieso nicht mehr einschlafen!

Martin: Moment mal. Es geht nicht darum, dass du verlierst, sondern nur, das es gegen mich ist. Das also bringt dich um den Verstand! „Warum verliere ich bloß gegen ihn? Ich bin doch soviel klüger als er!"

Frasier: Das habe ich nie gesagt!

Martin: Wozu auch, das denkst du schon dein ganzes Leben!

Frasier: Das stimmt nicht!

Martin: Doch! Und das war schon wieder eine Beleidigung meiner Intelligenz!

Frasier: Oh, Dad!

Martin: Was glaubst du eigentlich, was ich die ganzen Jahre über als Polizist gemacht habe? Spuren analysiert, Strategien entwickelt und stets versucht, der Gegenseite ein paar Schritte voraus zu sein. Na, erinnert dich das an ein Spiel?

Frasier: [aufgeregt] Gut, das erklärt vielleicht, warum du Schach spielen kannst! Aber nicht warum du mich jedes Mal besiegst! Och, bitte, Dad nur noch eine, eine einzige Runde, ich fange auch nie wieder davon an.

Martin: Nein, ich spiele auf gar keinen Fall. Nein, nein. Warum sollte ich auch? Du willst mich nur besiegen, damit du wieder denken kannst, du bist klüger als dein dummer alter Vater. Vergiss es, du kannst mich mal. Ich wüsste nicht, wieso ich je wieder mit dir spielen sollte.

Frasier: Wenn du gewinnst, gebe ich dir 5000 Dollar.

Martin: Was stehst du da im Weg!

Martin springt aus dem Bett, greift sich seinen Stock und macht sich auf den Weg ins Wohnzimmer. Frasier und Eddie folgen ihm.

Martin: He, hast du das gesehen? Das Schachbrett ist schon aufgebaut, na so eine Überraschung!

Sie setzen sich an den Tisch.

Frasier: Ich habe mir die Freiheit genommen. Gut, Dad dann können wir also Platz nehmen zu einem schönen Freundschaftsspiel. Seit Jahrhunderten schieben Menschen Meinungsverschiedenheiten beiseite nur für eine Partie königlichen Schachs. So, wer fängt an?

Martin: Tja, mal seh’n. Derjenige normalerweise, der das letzte Spiel verloren hat... wer war das bloß?

Frasier: Okay. Das war’s also mit den Freundlichkeiten.

Er zieht.

 

~*~

 

Später.

Das Spiel ist vorangeschritten. Frasier nimmt eine Figur.

Martin: Tut mir übrigens Leid, das deine Einschaltquoten so weit abgesackt sind.

Frasier: Versuch’ nicht, mich mit deinen billigen psychologischen Tricks abzulenken.

Frasier stellt seine Figur ab. Martin hebt seine Figur an.

Frasier: Ach, habe ich dir schon gesagt, dass... äh, der Friedhof angerufen hat? Sie müssen neben deiner Grabstelle eine Sickergrube ausheben.

Martin stellt seine Figur ab.

 

~*~

 

Noch später.

Das Spiel ist in der entscheidenden Phase. Eddie sitzt auf einem Stuhl und starrt Frasier an.

Frasier: Das du deinen Hund dazu angestiftet hast, mich anzustarren, beweist mir nur deine große Verzweiflung. [zieht]

Martin: Wieso sollte ich ihn dazu anstiften. Er findet es faszinierend, wenn er jemanden schwitzen sieht. [zieht]

Frasier: Ich schwitze, wenn ich glücklich bin. [zieht]

Martin: Ja, dann musst du ja kurz vor der Ekstase sein! [zieht; dann] Nein, warte!

Frasier: Nein, nein deine Finger waren nicht mehr an der Figur!

Martin: Waren sie doch!

Frasier: Waren sie nicht! Was bedeutet, dieser Zug war ein Fehler. Du musst irgendwo eine ungeschützte Stelle haben.

Martin: Selbst wenn, wirst du sie nie finden.

Frasier: Was sehe ich denn da? [nimmt seine Figur und macht seinen Zug] Was ist das? Ist es möglich? Schachmatt! [lacht] Ich hab’ gewonnen, ich habe gewonnen, ich habe tatsächlich gewonnen!

Martin: Als ich dich die ganze Zeit besiegt habe, habe ich nicht so ’n Affen gemacht.

Frasier: Nein, aber jetzt wünscht du dir, du hättest es getan? Ha-ha, ein tolles Gefühl!

Martin: [steht auf] Na schön, mir reicht’s. Ich geh’ ins Bett und die Worte „Schach" oder „Schachspiel" oder „Brett" oder „Schachbrett" will ich nie wieder hören. Ein für alle mal, verstanden?

Frasier: Ja, schön gut, Dad. Gute Nacht. Junge, reg’ dich ab, das ist doch nur ein Spiel!

Martin dreht sich um und starrt Frasier finster an.

 

~*~

 

Szene 7 – Frasiers Apartment

Immer noch in der Nacht.

Frasier steckt den Kopf in Martins Zimmer. Der Lichtschein, der aus dem Flur auf Martins Gesicht fällt, weckt ihn auf.

Frasier: Dad? Dad?

Martin: Oh, nicht du schon wieder...

Frasier: Bitte, ich-ich-ich hab’ nur eine Frage: hast du mich gewinnen lassen?

Martin: Oh, das darf doch nicht wahr sein, Frasier...

Frasier: Nein, nein, bitte-bitte, hast du dein Bestes gegeben?

Martin: Für 5000 Mäuse? Was denkst du denn?

Frasier: Das sagst du aber auch nicht nur so?

Martin: [seufzt] Beim Grabe deiner Mutter und mich soll auf der Stelle der Blitz treffen: Ich, Martin Crane, schwöre bei der heiligen Bibel, das du gewonnen hast und ich verloren. Das ist die Wahrheit, so wahr mir Gott helfe und mich schlafen lässt.

Frasier ist endlich zufrieden.

Frasier: Danke, Dad.

Martin: Ach, keine Ursache.

Frasier schließt die Tür. Martin schüttelt den Kopf. Frasier öffnet die Tür erneut und steckt den Kopf ins Zimmer.

Frasier: [weinerlich] Tut mir Leid, dass ich dich besiegt hab!

 

~*~

 

Abspann

Daphne und Martin spielen Dame am Esstisch. Daphne zieht. Martin lächelt und zieht ebenfalls. Daphne überspringt alle Steine von Martin und schiebt die Steine vom Spielbrett. Sie lachen und Daphne führt einen kleinen Freudentanz auf, bevor sie in ihr Zimmer geht.

Martin geht zur Couch, nimmt ein Kissen, drückt es sich vor sein Gesicht und heult hinein.

 

---=== ENDE ===---


Bei diesem Skript handelt es sich um die Mitschrift der TV/DVD-Version dieser Folge (und nicht um ein Original Drehbuch). Alle Rechte verbleiben bei den jeweiligen Autoren und Produktionsfirmen der Serie.
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