Frasier 2x23

Transkript der Folge "The Innkeepers" [#2.23]

Deutsches Transkript erstellt von Michaela Götte

Bei diesem Skript handelt es sich nicht um ein Originaldrehbuch, sondern um die Mitschrift der TV-Version dieser Folge!

Originaltitel: Aal Infernal
Ausstrahlung: 08.02.2000
Deutscher Titel: The Innkeepers
Ausstrahlung: 16.05.1995
Buch: David Lloyd
Regie: James Burrows

Darsteller

Kelsey Grammer [Frasier Crane]
David Hyde Pierce [Niles Crane]
John Mahoney [Martin Crane]
Peri Gilpin [Roz Doyle]
Jane Leeves [Daphne Moon]
Moose [Eddie]


Gastdarsteller

Edward Hibbert [Gil Chesterton]
Mike Nussbaum [Besitzer]
Nathan Davis [Otto]
Diedrich Bader [Brad]
Jay Bell [Maurice]
Alan Shearman [Sous Chef]
Robert Lee Jacobs [Kellner]
Tom Hewitt [Barkeeper]
Deborah Lacey [Gast]


Inhaltsangabe
In einer spontanen Aktion erwerben Frasier und Niles ein bekanntes Vier-Sterne-Restaurant. Doch bereits am Eröffnungsabend bricht das totale Chaos aus: Der französische Chefkoch lässt sich nicht ins Soufflé reinreden und verschwindet, die Schwingtür setzt den Kellner außer Gefecht und als der Chef der Einwanderungsbehörde das Lokal betritt, sucht auch der Rest des Personals das Weite ... [Text: Sat.1]Akt 1Szene 1 – KACL, Frasiers Studio

Frasier und Roz sind im Produktionsraum. Gil Chesterton ist im Nebenraum auf Sendung.

Gil: … und daher muss ich ihnen als aufrichtiger Kritiker dringend von einem Besuch in „Mickeys kleiner Taverne" abraten. Tristes Dekor, die Bedienung zu lässig und eine Küche die nur im Notfall dem Hunger vorzuziehen ist. [dreht sich zu Frasier und Roz um; winkt] Und schließlich noch eine traurige Nachricht, nach 35 Jahren am selben Ort, schließt heute das Orsini seine Pforten. Ich sage also hiermit Adieu an die Adresse der „Grande Dame" der Restaurants in Seattle.

Roz: [zu Frasier] Ich dachte ER wäre die „Grande Dame" der Restaurants in Seattle.

Gil: ...bis zum nächsten Mal wünscht Ihnen Gil Chesterton Bon Appetite, Buon Appetito und fröhliches Naschen.

Gil beendet seine Sendung. Frasier und Roz gehen ins Studio.

Roz: Gil, warum macht das Orsini zu?

Gil: Oh, der Inhaber wird langsam alt, er will verkaufen. Und, äh, ganz im Vertrauen. Ich fürchte das Orsini ist ein bisschen wie ein Wein, der zulange im Keller gelagert hat. Das Restaurant lebt nur noch von der Erinnerung an früheren Glanz.

Frasier: Dürfen Sie dort nicht mehr umsonst essen?

Gil: Schon seit Monaten nicht [er verlässt das Studio]

Frasier: Wissen Sie, das Orsini war früher mein Lieblingsrestaurant. Waren Sie mal da, Roz?

Roz: Machen Sie Witze? Für meine üblichen Freunde besteht ein Feinschmeckerabend aus ein paar Hamburgern und einem Quickie vor der Glotze.

Niles kommt mit einem Buch in der Hand herein.

Niles: Hallo, hallo!

Frasier: Oh, Niles. Du kommst ungelegen in zwei Minuten fängt die Sendung an.

Niles: Ah, das reicht gerade um dir die seltene Erstausgabe eines John Steinbeck Buches zu zeigen, das ich mir gekauft habe. [nimmt das Buch aus der Tasche und zeigt es Frasier] "Sankt Caty die Jungfrau", noch völlig unberührt.

Frasier: Ja-ja, das möchte ich aber auch von dir erwarten.

Niles: Ein ganz gutes Buch, wirklich schade, dass es selten gelesen wurde.

Roz: [will das Buch nehmen] Zeigen Sie mal her.

Niles: Nicht anfassen! Der kleinste Fleck verringert seinen Wert.

Frasier: Niles, weißt du welch glanzvolles Etablissement in Seattle seine Pforten schließt?

Niles: Och, Roz, Sie wollen wegziehen??

Roz blickt ihn böse an, nimmt ihm das Buch aus der Hand und leckt über die Rückseite. Dann gibt sie es Niles zurück. Der ist entsetzt und nimmt ein Taschentuch um die Rückseite sauber zu wischen.

Frasier: Nein, Niles. Das Orsini macht zu.

Niles: Och, das ist doch nicht möglich. Das gehört doch zur Geschichte der Cranes. Großvater war mit mir an meinem achten Geburtstag dort.

Roz kommt herein und legt einige Zettel auf Frasiers Tisch. Niles versteckt das Buch in seinem Jackett.

Frasier: Danke, Roz.

Niles: Nichts ist lebendiger als Kindheitserinnerungen. Wir trugen Papierhüte, sangen „Happy Birthday" und ich ließ das „Kalbsschnitzel Prinz Orlov" zurückgehen

Roz: Dreißig Sekunden, Frasier.

Frasier: Danke, Roz. Niles, wie wär’s, wenn wir heut’ abend ins Orsini zu einem glanzvollen Abschiedsessen gehen?

Niles: Wieso nicht? Ich bestelle die Plätze. Wir nehmen Dad und Daphne mit.

Frasier: Ja, gut. Kommt Maris auch mit?

Niles: Ohhh... leider nein. Sie hatte dort zu Weihnachten mal ein schreckliches Erlebnis. Ein italienisches Fußballteam saß nebenan und als Maris sagte, sie hätte Lust auf einen Piccolo, da folgte unvermeidbar eine Tragödie.

Er verlässt das Studio.

 

 

LES FRÉRES HEUREUX

 

Szene 2 – Das Orsini

Das Restaurant ist leer. Martin, Daphne, Frasier und Niles kommen über die Treppe herein.

Frasier: Ach du großer Gott, was ist mit dem Restaurant passiert?

Niles: Oh ja. Das ist wie die Begegnung mit einer Filmdiva, die du als Kind verehrt hast. Nach all den Jahren ist ihr Haar stumpf geworden, ihre Augen sind eingesunken und glanzlos, ihre Haut ist wächsern und fahl.

Martin: Ich jedenfalls hab’ großen Appetit. Was ist mit Ihnen Daphne?

Der Maitre D’ kommt hinzu.

Maitre D': Guten Abend, Sir. Sie haben eine Reservierung?

Frasier: Ja, auf den Namen Crane. Vier Personen.

Maitre D': Ah, wie ich sehe ist Tisch neun ausnahmsweise frei. Hier entlang bitte, der Kellner ist sofort bei Ihnen.

Er begleitet die Cranes zu ihrem Tisch.

Frasier: Danke. [rückt Daphne den Stuhl zurecht] Hier Daphne.

Daphne Oh, danke.

Niles: [nickt zu einem älteren Angestellten herüber] Dad, Frasier, ist das nicht Otto?

Frasier: Oh ja, ich glaube du hast recht. Otto ist hier so etwas wie eine Legende. Er ist schon eine Ewigkeit hier, er schreibt sich nie etwas auf und behält alles im Kopf. [ruft] Otto.

Otto: Ja, ich komme schon. [gibt Frasier ein Blatt Papier] Ihre Rechnung, Sir.

Frasier: Nein, nein, der falsche Tisch. Wir hätten nämlich zuerst gern die Speisekarte, bitte.

Otto: Oh, tut mir Leid. Ich kann’s nicht ausstehen, wenn wir überfüllt sind.

Martin: Ich geh’ mal aufs Örtchen. Bestell mir ein Bier.

Frasier: Ach je, Dad und ich dachte du würdest mich mal überraschen und ein Glas Wein bestellen.

Martin: [im Gehen] Ach ja, und ich dachte du würdest mich mal überraschen und deine Klappe halten.

Er verlässt den Raum.

Frasier: Ich würde ihm den Hummercocktail bestellen, aber ich fürchte, als ironische Geste wäre das Verschwendung.

Niles: Der Inhaber wird alle Hände voll zu tun haben, um einen Käufer zu finden.

Frasier: Leider Gottes. Ich fürchte das ist nur noch ein altes Fossil, das von seinem Elend erlöst werden sollte [Otto ist zurück an den Tisch gekommen und sieht Frasier fragend an] Oh nein, Otto, Sie meinte ich nicht.

Otto: Ihre Speisekarte, Sir.

Er verteilt die Speisekarten. Fragend hält er die Speisekarte für Martin hoch.

Frasier: Danke.

Daphne: Oh, danke.

Niles: Danke. Schon gut, er ist auf der Toilette. [Otto nickt und geht wieder]

Frasier: Lassen Sie sie hier.

Daphne: Warum haben es die Amerikaner immer so furchtbar eilig alles niederzureißen? In meiner Heimat halten wir unsere Antiquitäten in Ehren, aber ihr könnt es kaum abwarten, mit den Bulldozern anzurücken.

Niles: Weißt du, ich bin geneigt, Daphne recht zu geben.

Frasier: Ich will versuchen, mein Erstaunen zu bremsen.

Daphne: Es wäre ein Verbrechen ein solches Wahrzeichen nicht zu erhalten. Man muss doch nur genau hinsehen, [blickt sich um] es ist solide gebaut, sehr gut in Schuss.

Niles: Es hat ein gutes Fundament und außerdem ist es sehr gut gelegen.

Frasier: Der Standort ist ausgezeichnet, wenn sie nur einen Parkservice hätten.

Niles: Wenn sie nur diese schrecklichen Vorhänge rauswerfen würden...

Frasier: ...und auch diese Säulen rausreißen würden... Weißt du... ich habe schon als Junge davon geträumt ein Vier-Sterne-Restaurant zu besitzen.

Niles: Welcher pubertierende Junge hat das nicht?

Frasier: Natürlich brauchen wir einen neuen Koch.

Niles: Ich habe zufällig gehört, das der Koch bei „Emilio" ziemlich unglücklich ist.

Frasier: Das ist bekannt. Die Scampi, die der Mann macht, sind ein einziger Hilferuf.

Martin kommt zurück und setzt sich.

Niles: Frasier, denkst du das gleiche was ich denke?

Frasier: Ich suche das Geschirr aus und reinige den Weinkeller mit einem Sandstrahler.

Daphne: Ein Restaurant zu besitzen ist harte Arbeit. Wenn Sie sich nicht gerade verbrühen oder sich einen Finger mit dem Hackbeil abschlagen, verbringen Sie die ganze Zeit damit, brennendes Fett zu löschen, Ratten zu vergiften und sich mit Schutzgelderpressern zuschlagen. [alle sehen erschrocken aus] Meine Tante hatte eine kleine Teestube.

Martin: Moment mal, jetzt sagt nicht, dass ihr ernsthaft daran denkt, so was total beknacktes zu tun wie diese Bude zu kaufen!?

Frasier: Bei allem Respekt, Dad, aber wir zwei sind nicht gerade Anfänger auf diesem Gebiet. Wir kennen uns mit „Haute Cuisine" aus und mit Wein...

Niles: Weiß Gott, wir haben Stil, Kultur und Geschmack...

Martin: Das ist es ja, was euch dauernd in Schwierigkeiten bringt. Ihr denkt nicht an die harte Arbeit und die lange Arbeitszeit. Nein, ein Restaurant zu besitzen heißt für euch nur, schicke Anzüge zu tragen, mit euren Freunden zusammenzuhocken und eure Feinde vor der Tür zu lassen.

Niles: [erfreut] Daran hatte ich ja überhaupt noch nicht gedacht!

Martin: Hört mal, als ich noch Polizist auf Streife war, gab es da ein Restaurant an der Ecke. In zehn Jahren hat es den Eigentümer wohl zwanzigmal gewechselt. Zuerst war es „Ling Funs Lichi Palast", dann hieß es „Pacos Taco Paradies" und dann war es der „Kleine Engländer aus Yorkshire". Englisches Essen, ah, kaum zu glauben... nach fünf Minuten war der wieder dicht.

Daphne ist nicht erfreut.

Niles: Ja, Frasier, Dad hat Recht damit. In diesem Gewerbe haben schon viele Menschen eine Menge Geld verloren, und zwar aus einem Grund: sie suchten sich einen falschen Namen aus.

Martin sieht Niles finster an.

Frasier: Stimmt, Niles, aber ich wüsste was ganz besonderes für uns. Ich dachte gerade darüber nach, während Dad sprach.

Martin sieht Frasier finster an.

Frasier: „Maison Crane". Oh Gott, du hast Recht, das ist zu offensichtlich.

Niles: Ich finde unser Name sollte einladend und ansprechend sein. Oh, oh, was ist das Wort für „leichtherzig" auf französisch?

Frasier: [denkt kurz nach] Das gibt es nicht. Ich weiß was, Niles, ich weiß was! „Les Fréres Heureux".

Niles: "Die glücklichen Brüder"... Brillant! Es klingt behaglich und ist schwer genug auszusprechen, um den Pöbel fernzuhalten.

Frasier: Wir machen aus dem Lokal etwas ganz exklusives! Kein Schild vor der Tür, keinerlei Werbung und oh-oh, für’s Telefon eine Geheimnummer!

Martin: Und vergesst das Wichtigste nicht! Auf dem Dach müsst ihr Wachen haben, die die Leute erschießen, die in den Schuppen reingehen.

Daphne lacht.

Frasier: Mach dir nichts draus, Niles. Ich glaube daran - glaubst du daran?

Niles: Ich glaube daran.

Otto kommt zurück.

Otto: Haben Sie schon gewählt?

Frasier: [euphorisch] Ja! Ich will das ganze verdammte Lokal! Vom Weinkeller bis zu den Dachziegeln!

Otto: [unbeteiligt] Und für die Lady?

 

Der Eröffnungsabend im „Les Fréres Heureux".

Alle Tische sind besetzt. Niles kommt im Smoking aus der Küche und geht zu Frasier, ebenfalls im Smoking. Gemeinsam schauen sie sich stolz in dem renovierten Restaurant um.

 

Akt 2

 

BEI DER PRODUKTION DIESER

EPISODE KAMEN KEINE AALE

ZU SCHADEN

 

 

Szene 1 – Das Restaurant

Die gleiche Szene wie vorher.

Niles: Wir kommen gut an, eindeutig. Wir sind „In", alle Tische im Lokal sind besetzt. Bis auf den kleinen da drüben, der in dieser furchtbar feuchten Ecke neben der Herrentoilette steht.

Frasier: Nein, nein, Niles. Das ist keine feuchte kleine Ecke neben der Herrentoilette. Das ist unsere „Liebesgrotte".

Niles: Oh, ja. Ich habe nur Komplimente bekommen.

Frasier: Ja, unser Koch Maurice hat sich selbst übertroffen, das Menü könnte gar nicht besser sein.

Niles: [probiert die eingelegten Kirschen] Ja, find’ ich auch. Mmm, sollten wir nicht noch einen winzigen Hauch Brandy an die „Cerises Jubilée" tun?

Frasier: [probiert ebenfalls] Mmm. Ja-ja, diese Kirschen sollen jubilieren.

Niles gibt Brandy zu den Kirschen. Frasier geht zu Martin und Daphne herüber.

Frasier: Daphne, Dad, ist hier alles in Ordnung?

Daphne: Oh ja, Dr. Crane. Was auch immer dieses „Anguille" ist, es ist einfach umwerfend!

Frasier: Oh, das ist die Spezialität unseres Kochs. Der Mann kann mit einem Aal Sachen machen, die würdet ihr nicht glauben!

Martin: Dafür hab’ ich mal einen Kerl verhaftet.

Daphne: Sie und ihr Bruder haben’s wirklich geschafft, Dr. Crane.

Frasier: Ja, nun, tut mir Leid, dich zu enttäuschen, Dad, aber das Restaurant ist ein Erfolg. Schon morgen wird uns die ganze Stadt auf den Schultern tragen.

Frasier geht zu den Kirschen herüber und schüttet nochmals Brandy nach.

In der Küche. Der Sous-Chef ist an einem Aquarium beschäftigt.

Niles: Was ist da drin?

Sous-Chef: [hält einen Aal hoch] Lebende Aale.

Niles: Großer Gott!

Sous-Chef: Das ist Spezialität von Maurice. Er mordet sie am liebsten auf Bestellung und serviert sie mit Kopf dran.

Niles: Ein Glück, dass seine Spezialität nicht Roastbeef ist. [geht zu Maurice hinüber] Sind das sie Soufflés für Tisch 9, Maurice?

Maurice: Ich ’abe gerade vor, sie zu backen.

Niles: Ich weiß, mir steht keine Kritik an Ihrer Präsentation zu, aber möchten Sie nicht mal etwas ganz Radikales versuchen?

Maurice: Was?

Niles: Na ja, an Stelle von Einzel-Soufflés backen Sie ein großes Soufflé und richten die Portion direkt am Tisch an. Wenn man den Namen Niles Crane hört soll man an das Groß-Soufflé denken.

Maurice: Wie Sie wünschen.

Niles geht zurück ins Restaurant. Ein Kellner spricht ihn an.

Kellner: Da ist ein Mensch an der Tür. Ohne Krawatte und hat auch keine Reservierung.

Niles: Überlassen Sie das mir.

Niles geht zur Treppe und trifft dort Bulldog mit seiner Freundin.

Bulldog: Hey, Miles, Baby!

Niles: Guten Abend, Mr. Briscoe. Kann ich Ihnen helfen?

Bulldog: Seh’ ich aus, als würde ich heute Hilfe brauchen?

Niles: Sie haben vorbestellt?

Bulldog: Okay, Okay, ich weiß schon welches Spiel gespielt wird. [zur Freundin] diese Jungs sind alle gleich. [Zu Niles; hält ihm einen Geldschein hin] Der Mann auf dem Scheinchen möchte wissen, ob Sie einen Tisch für Bulldog und seine Dame haben. [Er stopft den Schein in Niles’ Jackentasche]

Niles: Tja, dieser Mann hat großes Glück. [zum Kellner] Führen Sie diese Herrschaften in unsere „Liebesgrotte".

Frasier: [kommt dazu] Niles, in die Grotte? Oh, Bulldog, viel Vergnügen an unserem schönsten Tisch.

Bulldog: [zu seiner Freundin] Na also, siehst du? Du brauchst nur mit den Scheinen zu wedeln und schon kriegst du was du willst. Aber wem sage ich das.

Frasier geht in die Küche, Niles schüttet nochmals Brandy über die Kirschen.

In der Küche. Frasier kommt herein.

Frasier: Uhm, Maurice? Mir steht keine Kritik an ihrer Kreativität zu, aber... [Maurice starrt ihn an] ich dachte wir wären uns einig, dass das Soufflé in Einzelförmchen serviert wird.

Maurice: Aber man hat mir gesagt, es zu ändern.

Frasier: Am Eröffnungsabend? Du lieber Himmel, nicht doch. Tun Sie’s schon in die Förmchen, ja.

Frasier geht zurück ins Restaurant.

Frasier: Dad, Daphne, wenn ihr bald soweit seit, lass ich euch den Wagen holen.

Daphne: Sagen Sie, ihr Parkplatzwächter kommt mir so bekannt vor.

Frasier: Das ist Otto, der Kellner. Ich hab’s nicht übers Herz gebracht,
ihn gehen zu lassen, also...
[Er nimmt ein Funkgerät aus der Tasche] Hallo, Otto?

Otto: [aus dem Funkgerät] Wer spricht da?

Frasier: Dr. Crane. Otto, fahren Sie bitte Wagen 44 vor, danke. [zu Martin und Daphne] So, eine kleine Neuerung von mir. Jetzt wartet euer Wagen schon auf Euch, wenn ihr fertig seid.

Frasier ist auf dem Weg zurück in die Küche. Bei den Kirschen stoppt er und gießt nochmals Brandy nach.

In der Küche. Niles steht neben Maurice, der die Soufflés in kleine Förmchen füllt.

Niles: Maurice, ich dachte wir wären uns einig, eine große Schüssel für das Soufflé.

Maurice: Ich werde noch verrückt! Das ist meine Küche!

Niles: Das ist mein Restaurant. Also eine große Portion. Hopp, hopp! [zu einem Kellner] Und Sie, Sie! Tisch 12 wartet immer noch auf das Hauptgericht. Ich hab’ keine Lust den Leuten auf Kosten des Hauses Zucchini zu reichen.

Niles will die Küche verlassen, aber stößt mit der Tür gegen irgendetwas.

Kellner: Äh, auf der Seite geht’s rein, Sir.

Niles: Gegen was bin ich gestoßen?

Im Restaurant. Ein Kellner liegt auf dem Boden vor der Küchentür, der Barkeeper kommt dazu.

Barkeeper: Was ist passiert?

Frasier: Niles, er muss ohnmächtig geworden sein. Kommen Sie, helfen Sie mir ihn in die Küche zu tragen.

Sie heben den Mann an und wollen ihn in die Küche tragen. Frasier nimmt die falsche Tür und man hört einen dumpfen Knall.

Barkeeper: Auf der Seite geht’s raus!

Frasier: Uhm, na ja, ist ja nichts passiert.

In der Küche. Ein Kellner hält sich mit schmerzverzerrtem Gesicht die Nase und wimmert.

Niles: Großer Gott, ich fürchte seine Nase ist gebrochen!

Sous-Chef: Was sollen wir tun?

Niles: [zum Sous-Chef] Fangen Sie an die Zucchini auszuteilen!

Sous-Chef: Und der Mann ist bewusstlos.

Barkeeper: Helfen Sie mal. Ich bringe die beiden zur Notaufnahme.

Frasier: Ja, das ist eine gute Idee. Bitte helfen Sie ihm dabei.

Niles: [aufgeregt] Oh, Frasier, Frasier entsprechend unserem Namen versuche ich ein glücklicher Bruder zu bleiben. Aber findest Du das nicht auch ein bisschen entmutigend, dass wir jetzt auf einmal ohne Servierer und ohne Barkellner dastehen?

Frasier: Die erste Küchenregel, Niles, immer Ruhe bewahren. [sieht Maurice und die Soufflés] NEIN, NEIN, NEIN! Ich habe gesagt kleine Portionen! Sie Ochse!

Niles: Ich hab’ ihm gesagt die große Schüssel.

Frasier: Was hast du den Verstand verloren, oder was!?

Sie fangen an sich zu streiten. Maurice legt seine Kochmütze ab und geht Richtung Tür.

Niles: Es war meine Idee, das Soufflé in einer großen Schüssel zu ser...

Frasier: ...dann servier’s doch gleich in einem Baseballhandschuh, Herrgott noch eins!

Niles: ...weil man etwas Besonderes finden will. Aber dafür hast du natürlich kein Verständnis!

Frasier: Das ist die dümmste Idee, die ich je gehört habe. Ich wusste gar nicht dass du so eine perverse Ader hast.

Niles: Warten Sie, Maurice!

Frasier: Maurice! Bitte warten bleiben Sie. Lassen Sie mich doch erstmal ausreden. Das war alles ein Versehen meinerseits.

Niles: Oh, fein. Was jetzt?

Frasier: Ganz einfach, wir machen eine Not-Beförderung. [zum Sous-Chef; gibt ihm die Kochmütze von Maurice] Gratuliere, Sie sind unser neuer Chefkoch!

Sous-Chef: Oh, danke.

Frasier: Also, machen Sie uns Ehre, wir haben sehr bedeutende Leute zu Gast.

Niles: Ja, allein am Tisch des Gouverneurs haben wir zwei Senatoren und den Chef der Einwanderungsbehörde.

Bei den Worten "Einwanderungsbehörde" lassen die restlichen Angestellten alles stehen und liegen und verlassen fluchtartig die Küche.

Frasier: [sieht sich in der leeren Küche um] Hast du noch mehr Einfälle auf Lager?

Niles: Was machen wir jetzt ohne Chefkoch? [Frasier nimmt die Kochmütze in die Hand und sieht Niles an] Nein. Nein. Leg dieses Ding wieder weg! Nein, nein, nein!

Frasier: Du bist unser neuer Chefkoch. [setzt Niles die Mütze auf]

Niles: Aber das ist doch nicht dein Ernst. Ich kann unmöglich hier kochen!

Frasier: Aber natürlich kannst du das. Die meisten Gerichte sind schon vorbereitet, und Dad und Daphne können uns auch noch helfen. [spricht in sein Funkgerät] Otto, stornieren Sie Wagen 44.

Otto: Wer spricht da?

Frasier: Hier ist Dr. Crane! Dr. Crane, es gibt hier keinen anderen mehr!

Frasier geht zurück ins Restaurant und hält Martin und Daphne auf, die gerade im Begriff sind zu gehen.

Frasier: Dad, Daphne, ich brauche Hilfe, wir haben eine kleine Katastrophe.

Martin: [laut] Katastrophe?!

Frasier: Das Personal ist uns weggelaufen, es ist eine lange Geschichte. Daphne, Sie brauche ich in der Küche und dich brauche ich an der Bar, Dad… und heb’ Dir deine Schadenfreude auf.

Martin: Das kann ich dir garantieren.

Daphne: Ah, das ist ja nicht das erste Mal, dass ich für mein Essen Geschirr abwaschen muss, aber wer bedient jetzt an den ganzen Tischen?

Roz: [kommt mit ihrem Date herein] Hallo, Frasier...

Frasier: [küsst sie auf die Wange] Roz! Roz! Roz! Oh, Roz!

Roz: Mich freut’s auch, Sie zu sehen. Frasier, das ist mein Bekannter, Brad.

Frasier: Brad, angenehm, guten Abend.

Roz: Nicht schlecht, was?

Frasier: Nun ja,ja,ja.

Roz: Haben Sie den Spezialtisch für uns?

Frasier: Ja selbstverständlich, aber bevor Sie sich setzen habe ich da etwas mit Ihnen zu besprechen. [er führt sie in die Küche]

Roz: [zu Brad] Bestimmt eine nette Überraschung.

Frasier: Oh, und schon bin ich wieder durchschaut...

Brad nimmt an der Bar Platz.

Martin: Was möchten Sie trinken?

Brad: Oh, ich weiß nicht, ich glaube ich warte noch auf Roz.

Martin: Ich würde nicht warten.

Roz: [kommt aus der Küche] Erpresser!

Geht mit einer Schürze in der Hand zu Brad herüber.

Roz: Schätzchen? Also es tut mir wirklich sehr leid, aber Frasier ist ein guter Freund und seine Kellner hatten einen schrecklichen Unfall und... das ist sein Eröffnungsabend, er... ist auf meine Hilfe angewiesen. Ich hoffe, du hast dafür Verständnis

Brad: Kein Problem. Ich hätt’ gern die Speisekarte und etwas Brot und Butter.

Frasier kommt dazu.

Frasier: Dad...

Martin: Hmm, na mein Freund, sind Sie von hier, was halten Sie von den Supersonics?

Frasier: Ach, hör doch auf damit. Hör mal zu, Niles dreht langsam in der Küche durch, ich weiß nicht, ob wir die Sache noch lange durchstehen.

Martin: Dann rede doch ganz offen mit den Gästen. Sag ihnen was passiert ist. Sie haben mehr Verständnis als du vielleicht denkst. Ja, ich glaube du hast recht, wahrscheinlich währt ehrlich immer noch am längsten.

Frasier: [stellt sich auf die Treppe und will eine kleine Ansprache halten] Ladies und Gentlemen, verzeihen Sie bitte, Ladies und Gentlemen, ich möchte Ihnen nur sagen...

Gil: [kommt herein] Guten Abend, Frasier.

Frasier: Bon Appetite! Gil! Gil, was für eine Überraschung. Ich denke Sie besprechen keine Eröffnungsabende.

Gil: Sie sind mein Freund, da mache ich eine Ausnahme. Und dazu noch meine wichtigsten Kollegen unter den Restaurantkritikern.

Frasier: Oh, also, ja das ist ja... wir sind aber so ausgebucht, das ich gar nicht weiß, ob ich Sie unterbringen kann.

Gil: Oh, wir nehmen den Tisch da vorn. [steuert auf einen Tisch zu] Es macht uns nichts aus, wenn es eng wird, wir sind schon ganz gespannt auf Ihren berühmten „Anguille". Wie ich höre, ist ihr Koch der reinste Zauberer mit Aalen?

Frasier: Aale? Wissen Sie, das war eine seiner früheren Spezialitäten, aber heute sollten Sie seine neue Spezialität probieren: Spiegeleier. [Gil sieht ihn verwirrt an] Sie kriegen ihren Aal.

In der Küche. Niles und Daphne sind mit der Zubereitung des Essens beschäftigt. Roz kommt herein.

Roz: Okay, Tisch vier möchte ein paar Änderungen: sie wollen die „Seezunge Beronic" ohne Weintrauben [Daphne beginnt die Trauben herauszusuchen] Spinat statt Broccoli und Risotto statt Nudeln. Sie wollen auch den Schwertfisch, aber nicht mit Kapern...

Daphne: Herrgott noch mal, können Sie den Leuten nicht sagen dass heute keine Extrawürste gebraten werden?

Roz: Es fällt mir schwer, nein zu sagen.

Niles: Das steht in jedem Stadtführer.

Roz: Wollen Sie ins Becken zurück zu den anderen Aalen?

Daphne: Sie machen es einem aber auch nicht gerade leicht. Sie stolzieren hier rein wie die Primadonna unter den Kellnerinnen, verlangen Extra-Broccoli, aber keine Kapern und dann verschwinden Sie wieder im lustigen Teil des Vergnügungsparks.

Roz: Wenn du mit mir tauschen willst, Mary Poppins, tu dir bloß keinen Zwang an!

Niles: Wie können Sie es wagen, so mit ihr zu reden?

Sie fangen an sich zu streiten. Frasier kommt herein.

Frasier: Schluss damit! Reißt euch am Riemen! Von euch wird nichts anderes verlangt, was ihr zuhause in eurer Küche nicht auch gemacht habt. Also schnell, Niles, schlachte fünf Aale!

Roz geht.

Niles: Warte, warte! Was?!

Frasier: Das ist mein ernst. Die wichtigsten Restaurantkritiker sind hier, und alle verlangen „Anguille", also schlachte die Aale!

Niles: [extrem aufgeregt] Aber warte, warte, warte, kannst du mir auch verraten, wie ich das tun soll?

Frasier: Woher soll ich das wissen? Du bist der Koch. Schmeiß von mir aus einen Toaster in das Becken.

Er geht wieder in das Restaurant. Roz kommt herein.

Frasier: [am Tisch von Gil und seinen Freunden] So, Sie wollten „Anguille". Die Aale sind schon unterwegs.

Gil: Unsere Gaumen gelüstet es schon danach.

Frasier: Der Chef de Cuisine ist gerade dabei...

Das Licht beginnt zu flackern und es ist ein dumpfes Brummen zu hören.

Frasier: ... sie anzubraten

Frasier will in die Küche gehen. Wird aber von einem Gast aufgehalten.

Gast: Entschuldigen Sie bitte. Das ist Kalbfleisch Piccata, ich aber wollte Marsala.

Frasier: Ganz recht. Ich stelle das sofort richtig, ich bin gleich wieder da.

Er nimmt den Teller und geht damit in die Küche. Niles bereitet immer noch das Essen zu, Daphne wäscht ab.

Frasier: Niles, die Piccata soll eine Marsala sein.

Er gibt den Teller Niles, der das Stück Fleisch herunternimmt und es über die Schulter zu Daphne wirft. Daphne fängt es auf und hält es unter den Wasserhahn. Dann wirft sie es auf den Teller, den Niles ihr hinhält. Niles gießt noch etwas Soße darüber und gibt Frasier den Teller zurück, der damit die Küche verlassen will.

Roz kommt herein.

Roz: Der Bürgermeistertisch will die flambierten Kirschen zum Nachtisch.

Frasier: Na schön, gut, Sie flambieren sie und ich serviere dann.

Er wirft ein Packet Streichhölzer zu Roz. Sie verlässt die Küche wieder.

Frasier: Niles, was ist mit den Aalen?

Niles: [hämmert mit einem Küchenbeil im Wasser herum] Ich versuche sie gerade zu treffen.

Frasier: Oh nein, Niles, hol sie zuerst aus dem Becken raus!

Niles: Nicht, bevor sie ganz sicher tot sind!

Daphne: Ach, Herrgott noch mal!

Daphne geht zum Aquarium nimmt einen Aal heraus und schlägt ihn gegen die Tischkante. Dann gibt sie dem geschockten Niles den Aal.

Plötzlich ist eine Explosion zu hören und eine Rauchwolke kommt durch die Küchentür herein.

Frasier: Was war das?

Roz kommt herein. Ihr Haar steht in alle Richtungen ab und ist verkohlt. Ihr Gesicht und ihre Kleidung ist mit Kirschen verschmiert.

Roz: [geschockt] Gewaltiger blauer Blitz... und Kirschen überall...

Daphne: Ein Glück, das nicht sofort die Sprinkleranlage angesprungen ist.

Frasier: Für solche Fälle haben wir in unserer Anlage eine eingebaute Auslöseverzögerung. Dadurch haben wir fünfzehn Sekunden, bevor die Sprinkleranlage... [Die Anlage springt an] losgeht.

Daphne: Wo kann ich das Ding ausschalten?

Frasier: Gleich neben der Tür.

Niles: Hoffentlich bist du jetzt zufrieden! Du hast meine braune Soße verdünnt!

Daphne schaltet die Sprinkleranlage ab. Frasier geht zurück ins Restaurant, wo die Gäste alle aufbrechen wollen.

Frasier: Eine gute Nachricht! Das war nur ein Test!

Gast: Ich will meinen Wagen, sofort.

Frasier: Oh ja, Mam, sofort. [ins Funkgerät] Otto bringen Sie Wagen 23, aber schnell.

Otto: Wer spricht da?

Frasier: Die Stimme des Herrn!

Bulldog: [steht auf einem Stuhl] Hey Doc, Doc. Tolle Idee das mit dem Sprinkler! Das Kleid klebt an meiner Kleinen wie eine Frischhaltefolie!

Frasier: Ladies und Gentlemen, jedes Restaurant hat seine Anfangsschwierigkeiten, schon bald werden Sie sich an diesen Abend wie ein aufregendes Abenteuer erinnern!

Gil: Falls es jemand vergessen sollte, gebe ich eine… Gedächtnisstütze.

Frasier: Für diejenigen, die leider schon gehen müssen: bitte denken Sie an uns, wenn Sie einen besonderen Anlass zum Feiern haben. Wir planen eine Menge aufregende und interessante Neuerungen in den kommenden Wochen...

Ein Auto bricht mit einem gewaltigen Kanll durch die Wand.

Frasier: ...den Anfang macht unser „Drive-In-Service"

Otto: [steckt den Kopf aus dem Autofenster] 23 – ist vorgefahren.

 

Szene 2 – Das Restaurant

Das Restaurant ist verwüstet. Das Auto steckt immer noch in der Wand und überall ist Wasser. Niles und Frasier sitzen ziemlich deprimiert an einem Tisch. Niles starrt an die Decke, Frasier isst.

Niles: Wie viel Feuerkraft, glaubst du ist nötig, um eine Kirsche in einer schallschluckenden Decke zu verankern?

Frasier: [blickt hoch] Diese Frage hätten wir uns auch stellen sollen, bevor wir in die aufregende Welt der Vier-Sterne Restaurants eintraten.

Martin: [kommt aus der Küche] Jungs, eure Aale fangen an zu stinken.

Niles: Dad, seit einer Stunde umkreist du uns wie ein Hai, also halte endlich deine kleine Ansprache und das war es dann.

Martin: Ach hör auf, ich kenn euch doch. Ihr zwei macht euch selbst genug Vorwürfe, was soll ich da noch Öl ins Feuer gießen?!

Frasier: Danke.

Niles: Nett von dir.

Martin: Ich bin doch euer Dad.

Das Telefon klingelt. Martin nimmt den Anruf entgegen.

Martin: Hallo, Restaurant „Die glücklichen Brüder". Ein Tisch für zwei, kein Problem. Mit Rauchschaden oder lieber mit Wasserschaden? [er lacht]

Frasier: Weißt du, wir... könnten sagen, er sei bei der Explosion umgekommen.

Niles nickt…

 

Abspann

Bulldog kommt aus dem hinteren Raum in das Restaurant und zieht sich sein Hemd an. Am Kopf sieht man Spuren von Lippenstift. Er sieht sich in dem zerstörten Restaurant um und gießt Wein aus mehreren Gläsern zusammen in ein Glas. Er nimmt das Glas, steckt sich eine Blume in den Hosenbund und geht wieder nach hinten.

 

 

---=== ENDE ===---


Bei diesem Skript handelt es sich um die Mitschrift der TV/DVD-Version dieser Folge (und nicht um ein Original Drehbuch). Alle Rechte verbleiben bei den jeweiligen Autoren und Produktionsfirmen der Serie.
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