Frasier 1x24

Transkript der Folge "Sind sie endlich glücklich?" [#1.24]

Deutsches Transkript erstellt von Michaela Götte

Bei diesem Skript handelt es sich nicht um ein Originaldrehbuch, sondern um die Mitschrift der TV-Version dieser Folge!

Originaltitel: My Coffee with Niles
Ausstrahlung: 19.05.1994
Deutscher Titel: Sind sie endlich glücklich?
Ausstrahlung: 31.05.1995
Buch: David Angell & Peter Casey
Regie: James Burrows

Darsteller

Kelsey Grammer [Frasier Crane]
Peri Gilpin [Roz Doyle]
David Hyde Pierce [Niles Crane]
John Mahoney [Martin Crane]
Jane Leeves [Daphne Moon]
Moose [Eddie]


Gastdarsteller

Luck Hari [Kellnerin]


Inhaltsangabe
Niles und Frasier erörtern beim Kaffeeplausch die tiefschürfende Frage, ob sie glücklich sind. Während Frasier zunächst keine Antwort findet, gesteht Niles, dass seine heimliche Liebe zu Daphne ihn nicht glücklich werden lässt. Die Frage, ob er mit ihr ein Verhältnis eingehen solle, verneint Frasier energisch. Als er sich wieder der Frage des Glücks zuwenden will, wird er von Roz unterbrochen, die sich mit ihrem Traummann verabredet hat. Doch der will sie nur für eine Sekte werben ... [Text: Sat.1]

[Hinweis: Die ganze Episode ist in „Echtzeit" aufgenommen worden. Ohne Szenenwechsel und Schnitte. Sogar die Zeit, wenn Niles und Frasier auf der Toilette sind, deckt sich genau mit der Zeit, die die Werbepausen lang sind.]

Akt 1Szene 1 – Café Nervosa

Das Café ist sehr gut besetzt und alle Tische sind belegt. Niles steht am Tresen und spricht mit Maris über sein Handy. Frasier kommt herein, blickt sich um und sieht Niles am Tresen.

Niles: Beruhige dich, Liebes. Beruhige dich erstmal. Also geh’ nach links, dann die zweite rechts und dann gleich wieder links. Genau. Okay, bis dann Liebes.

Frasier: Hat Maris sich wieder verlaufen?

Niles: Ja, sie ist versehentlich in die Küche geraten und ich hab’ ihr den Weg zurück ins Wohnzimmer erklärt.

Frasier: [sieht sich um] Ziemlicher Betrieb hier. Konntest du keinen Tisch bekommen?

Niles: Nein, dummerweise nicht. Der Tisch drüben am Fenster hat vor fünf Minuten die Rechnung bekommen, aber sie sitzen immer noch da und mären sich aus. Ich hab’ sie schon böse angekuckt, aber sie rühren sich nicht.

Frasier: Ach, zeig’ mir mal wie.

Niles reißt die Augen weit auf und starrt in Richtung der Leute.

Frasier: Dann wird’s auch ‘ne Weile dauern.

Niles: Wollen wir schon mal was bestellen?

Frasier: Oh, ja natürlich! [zur Kellnerin] Was haben Sie denn heute für einen Kaffee?

Kellnerin: Simbabwe und Kenia.

Frasier: Oh, dann nehme ich einen Simbabwe Latte.

Niles: Und ich einen Kenia Cappuccino.

Frasier: Und was gibt’s Neues?

Niles: Yoshi, unser Gärtner, hat den ungleichen Machtkampf doch noch gewonnen. Er hat Maris dazu gebracht, ihre Kamelien auszugraben, damit er den Zen-Garten anlegen kann, wegen dem er uns seit Jahren nervt.

Frasier: Wie sieht der Garten aus?

Niles: Einfach wunderschön. Zum Meditieren genau das Richtige. Gestern erst habe ich im Vorbeigehen Maris mittendrin in der Lotusstellung sitzen sehen.

Frasier: Das ist doch sehr schön. Offenbar bringt er ihre spirituelle Seite zum Vorschein?

Niles: Das glaube ich nicht. Sie las in einem Barbara Cartland Roman und vereinbarte per Funktelefon einen Termin bei ihrer Maniküre.

Frasier: Weißt du, dass es heute genau ein Jahr her ist, dass ich aus Boston hergezogen bin?

Niles: Wirklich? Ein Jahr? Es kommt mir vor, als wäre Dad erst gestern bei dir eingezogen.

Frasier: Ist es nicht komisch wie zwei Leute dasselbe Ereignis ganz unterschiedlich wahrnehmen?

Niles: [dreht sich zum Tisch am Fenster um] Also die sitzen dort fest, als würde ihnen der Tisch gehören. Und wenn wir beide sie böse ansehen?

Frasier: Ist den Versuch wert. [beide starren die Leute böse an; die Leute verlassen das Café] Es funktioniert. Es hat funktioniert! Niles, ich zweifle nie wieder an dir!

Frasier und Niles wollen zu dem freien Tisch gehen, doch ein Paar kommt ihnen zuvor und besetzt den Tisch. Niles und Frasier sind wütend darüber.

Niles: Versuch’s mal an diesem Tisch, ich geh’ auf die Toilette.

Niles geht, Frasier starrt die Leute an dem Tisch böse an.

 

~*~

 

Szene 2 – Café Nervosa

Niles kommt aus der Toilette zurück, Frasier steht immer noch am Tresen und starrt die Leute am Tisch an.

Niles: Man glaubt es nicht!

Frasier: Was ist denn jetzt?

Niles: Sie haben einen neuen Feuchtigkeitscremespender auf der Toilette und die Creme ist einfach zu ölig, also musste ich mir die Hände noch einmal waschen und genau in diesem Moment ist der Händetrockner kaputtgegangen!

Frasier: Wie kommst du nur durch den Tag?

Kellnerin: [bringt den Kaffee] Hier für Sie. Simbabwe und den Kenia.

Frasier: [nicht erfreut] Oh, Verzeihung, habe ich koffeinfrei gesagt?

Kellnerin: Nein, das haben Sie nicht.

Frasier: Oh, tut mir Leid. Wenn ich normalen Kaffee trinke muss ich während mein Bruder redet die ganze Zeit nervös hin und her rutschen. [sie nimmt den Kaffee wieder mit] Danke. Sieht nicht so aus, als würde jemand gehen? Wie wär’s wenn wir uns einen Tisch draußen suchen?

Niles: Wieso nicht. Mir ist nach al fresco.

Frasier: So? Was sagt denn Mrs. Fresco dazu?

Kichernd gehen sie nach draußen. Sie setzen sich an einen Tisch, der genau vor dem Eingang steht. Frasier sieht zu, wie Niles die Sitzfläche seines Stuhls penibel mit einer Serviette abwischt.

Frasier: Hm, du bist bestimmt der Brüller auf Campingfahrten.

Niles: Willst du?

Er hält Frasier die Serviette hin, der lehnt aber ab. Beide setzen sich hin.

Niles: Sag mal, Frasier, nun da Kapitel zwei deines Lebens im Gange ist, möchte ich dich etwas fragen.

Frasier: Gut, schieß los.

Niles: Bist du glücklich?

Frasier denkt nach.

Niles: Hast du die Frage gehört?

Frasier: Ja, ich überlege noch. Die Frage hat es doch ziemlich in sich.

Niles: Nein, hat sie nicht.

Frasier: Doch hat sie.

Niles: Nein, hat sie nicht. Entweder du bist glücklich, oder nicht.

Frasier: Bist du denn glücklich?

Niles: Nein, aber wir reden auch nicht über mich.

Frasier: Also, das äh, wollen wir nicht einfach übergehen. Du bist mein Bruder und sagst mir, dass du nicht glücklich bist. Es schmerzt mich, das zu hören. Wieso?

Niles: Ich habe neulich einen Fernsehbericht in meinem Arbeitszimmer gesehen. Es war eine Dokumentation über die große Depression. Wie von Steinbeck. Menschen in großer Armut, auf der Flucht aus den Trockengebieten. Den kärglichen Besitz auf klapprige Karren geschnallt, fuhren Sie einem Ziel entgegen wo sie ihr Heil finden wollten. Da war so eine Szene mit einem schmuddligen Bengel, dem die Heilsarmee ein neues Paar Schuhe geschenkt hatte. Frasier, wenn du den Ausdruck auf dem Gesicht des Jungen gesehen hättest. Er war so voll reinem und unverfälschtem Glück. Ich habe noch nie diese Art von Glück erleben können, nein, in meinem ganzen Leben nicht. Noch nicht mal beim Kauf dieser 400 Dollar teuren Slipper. [hebt seine Füße hoch] Gefallen sie dir?

Frasier: Ja, die sind ganz schön?

Niles: Wie findest du die Troddeln?

Frasier: Ich mag diese Art Troddeln eigentlich nicht.

Niles: Nein, ich auch nicht. Aber was soll’s, sind nun mal dran. [denkt nach] Och, ich habe keinen Grund unglücklich zu sein. Ich bin gesund, hab’ ein schönes zu Hause, eine wunderbare Frau. Hast du mit der Augenbraue gezuckt?

Frasier: Kann ich mir nicht denken.

Niles: Ich habe meine Praxis. Obwohl ich in letzter Zeit die Ideale aus den Augen verloren habe, die mich zur Psychoanalyse geführt haben.

Frasier: Hmm.

Niles: Aber wem sage ich das. Du betreibst die Psychologie wie ein Fast-Food-Restaurant. Weißt du, manchmal frage ich mich, ob ich nur wegen des Geldes Analytiker geworden bin.

Frasier: Nein, das würde ich nicht sagen. Wenn es so wäre… ach was.

Niles: Was? Was wolltest du gerade sagen?

Frasier: Nein, nein, lieber nicht.

Niles: Ist auch gar nicht nötig. Ich weiß schon worauf du hinauswillst. Das wolltest du mich schon seit Jahren fragen. "Hast du Maris wegen des Geldes geheiratet?" [Frasier nickt] Das ist unerhört! Wegen des Geldes habe ich Maris nicht geheiratet. Ist nur ‘ne angenehme Zugabe.

Frasier: Du liebst sie also wirklich?

Niles: Natürlich liebe ich sie… es ist nur eine ganz andere Art von Liebe.

Frasier: Du meinst, sie ist nicht menschlich?

Niles: Nein, nein, sie brennt nur nicht so leidenschaftlich und heftig wie bei Tristan und Isolde. Bei uns spielt mehr dir Vertrautheit eine Rolle. Maris und ich sind alte Freunde. Wir verbringen einen ganzen Tag zusammen, ich an meinem Puzzlespiel, sie an ihrer kleinen Harfe – ohne dass zwischen uns beiden ein Wort fällt und trotzdem sind wir völlig zufrieden.

Frasier: So soll es gegen Ende auch im Hause Hitler zugegangen sein.

Niles: Na schön, lass uns wieder zu unserem Thema zurückkommen. Ich hatte dich anfangs gefragt, ob du glücklich bist. Aber überleg’ nicht lange, antworte einfach.

Frasier: Also...

Roz: [kommt herüber] Hallo Freunde!

Frasier: Oh, Tag Roz.

Niles: Hallo, Roz. Was wollen Sie denn hier?

Roz: Oh, ich wollte immer schon mal einen Düsenjäger fliegen und heute gibt’s hier ein Sonderangebot für die Flugstunden und da dachte ich, ich ergreife gleich mal die Gelegenheit. [Niles ist verwirrt] Ich bin hier um Kaffee zu trinken!

Niles: Danke, dass Sie vorbeigekommen sind, mir hätte sonst was gefehlt.

Roz: Außerdem bin ich hier verabredet.

Frasier: Oh, lassen Sie mich raten, mit einem Mann?

Roz: Ja!

Frasier: [ahmt sie nach] Ja.

Roz: Kennen Sie den neuen aus der Nachrichtenabteilung? Andy Winslow, der ist wirklich süß. Er hat mich dabei erwischt wie ich ihn von oben bis unten angestarrt habe.

Frasier: Oh, Liebe auf den ersten Blick!

Roz: Er sagte gehen wir doch einen Kaffee trinken und lernen uns näher kennen. [schminkt sich] Ich weiß nicht, Frasier ich habe das eigenartige Gefühl, dieser Typ könnte der Richtige sein.

Frasier: Oh, Roz, Herzchen, das sagen Sie bei jedem Mann, den Sie treffen. Warten Sie erstmal ab, ob er hier auftaucht.

Roz: [nimmt Niles’ Serviette und tupft sich den Lippenstift ab] Na ja, wir werden sehen. Bis jetzt ist er jedenfalls nicht hier. Ich werde uns erstmal einen Tisch organisieren.

Frasier: Viel Glück!

Niles: Wiedersehen, Roz!

Roz: Ja, ja. [geht]

Niles: Ich glaube Sie kann mich nicht leiden.

Frasier: Das hat nichts mit leiden oder nicht leiden zu tun. Sie verabscheut dich!

Niles: Wirklich? Wie kommt es zu dieser starken Ablehnung? Ich nehme ihre Existenz doch kaum zur Kenntnis.

Frasier: Ich glaube, du bist auf der richtigen Fährte, Sherlock!

Niles: [schaut ins Café] Sie ist anmutig, auf eine so zwielichtige Weise.

Frasier: Roz? Ja, sie ist äußerst attraktiv.

Niles: Hast du je daran gedacht, dass ihr zwei, du weißt schon...

Frasier: Roz mit mir? [lacht] Ach, nein, nein!

Niles: Du hast nie daran gedacht mit ihr in ein billiges Hotel zu gehen und dort mit ihr...?

Frasier: Ja, schon. Ich bin ein Mann mit normalen Bedürfnissen. Und sie hat so ein... eine Seidenbluse, die wenn sie sich über das Pult beugt ein wenig offen steht. Eine Romanze am Arbeitsplatz. Ich weiß nicht, ob es das wert ist.

Niles: Was fragst du mich? Du hast ihr in die Bluse geschielt!

Die Kellnerin kommt mit der zweiten Tasse Kaffee für Frasier.

Kellnerin: Koffeinfreier Simbabwe Latte.

Frasier: Ist das fettarme Milch?

Kellnerin: Nein.

Frasier: Oh, ähem, es ist mir so unangenehm, aber ich muss auf meinen Fetthaushalt achten, und... [sie nimmt den Kaffee wieder mit; es beginnt zu regnen]

Niles: Was ist das? Regen?

Frasier: [sarkastisch] Nein, Gott vergießt Tränen.

Niles: Darf ich nicht mal eine einfache Frage stellen?

Frasier: Du stellst doch nur einfache Fragen!

Niles und Frasier gehen schnell ins Café und sehen Roz an einem Tisch sitzen.

Frasier: Hey, wieso hat sie eigentlich einen Tisch bekommen?!

In der Nähe des Bücherregals steht eine Gruppe von Leuten auf, Niles und Frasier eilen auf den frei gewordenen Tisch zu, aber ein Paar belegt die Plätze vor Ihnen. Sie sehen einen freigewordenen Tisch am Fenster und stürzen ebenfalls darauf zu. Ein Mann will sich schon hinsetzen, aber Niles versperrt ihm den Weg. Niles und Frasier setzen sich hin.

Niles: Ich glaube mein Wille war einfach stärker als seiner. [sieht aus dem Fenster] Oh man, das gießt aber in Strömen. [Frasier sieht auch hinaus und beginnt zu lachen] Was? Was ist denn?

Frasier: Ach, ich musste nur an eine Sache von neulich denken. Ich sagte Dad, er solle mir ein Kleiebrötchen rüberreichen. Und da sagte er „Wie heißt das Zauberwort?"

Niles: Ist nicht dein ernst.

Frasier: Er fand’s nicht witzig, als ich gesagt hab’ „Altersheim"! [beide lachen]

Niles: [sieht Roz mit einem Mann] Oh-oh-oh, schau-schau-schau, das muss Roz’ Verabredung zum Kaffee sein. Wow! Der sieht ziemlich gut aus, was?

Frasier: „Wow!" Hast du „wow" gesagt?

Niles: Großer Gott, ja. Ich habe noch nie zuvor „wow" gesagt, wenn ich von einem Mann sprach. Was das wohl bedeuten mag?

Frasier: Ist doch klar, [sarkastisch] es bedeutet, das du schwul bist. Du führst mit Maris nur eine Scheinehe und hättest dein Coming-Out schon vor Jahren bekennen sollen. Sagst du es Dad, oder soll ich’s tun? [lacht]

Daphne, Martin und Eddie kommen herein. Alle sind völlig durchnässt.

Daphne: Sie mussten mal wieder an die frische Luft und das bisschen Regen schadet ja nicht.

Martin: Ja, das war sehr dumm von Ihnen. Eine ausgesprochen dumme Idee, geben Sie’s doch zu?!

Daphne: Es war keine dumme Idee, Sie brauchen Ihren täglichen Spaziergang. Wirklich dumm war nur, dass Sie ohne Ihr Tropfendach rausgegangen sind.

Martin: Das heißt Regenschirm! Müssen Sie sich immer so komisch ausdrücken?

Kellnerin: [kommt herüber] Verzeihung, Sir, Hunde dürfen hier nicht rein.

Martin: [tut so, als sei er blind] Was?

Kellnerin: Oh, das tut mir sehr Leid.

Niles: [ruft der Kellnerin hinterher] Ist schon gut, ist schon gut.

Martin: [tastet nach Niles’ Gesicht] Oh, Niles?

Niles: Hallo, Dad.

Frasier: Na Dad, was wollt ihr zwei denn hier??

Daphne: Och, ich dachte ein wenig Bewegung würde uns gut tun. Und außerdem haben wir zu Hause keinen Kaffee mehr, also sind wir losgelaufen. Das heißt, zwei sind gelaufen, einer musste hinter uns her geschleift werden.

Martin: Hey, ich habe gleich gesagt, dass ich nicht mitkommen will. Seht euch das an, ich sterbe noch an Lungenentzündung!

Daphne: Ach, sie überleben uns alle, das ist bei den Nörgelheinis immer so. [geht zum Tresen, Niles folgt ihr]

Frasier: Dad, ich bestell’ dir etwas Heißes zu trinken. [Frasier winkt die Kellnerin heran] Einen Cappuccino, einen Kaffee Latte, oder was?

Kellnerin: [zu Martin] Was darf es sein?

Martin: Äh, Kaffee schwarz, aber tun Sie nichts ausgefallenes rein.

Kellnerin: Wir haben zwei Spezialsorten Kaffee... [Martin starrt gelangweilt geradeaus] lassen Sie sich überraschen [geht]

Frasier: [Eddie setzt sich neben ihn] Oh Freude! Es geht doch nichts über den Geruch eines nassen Hundes, um Appetit aufs Abendessen zu bekommen.

Martin: Sieh dir das an, wir sind völlig durchnässt!

Frasier: Du hast ja wieder mal eine tolle Laune.

Martin: Ja, und du hast in der Küche eine ziemliche Schweinerei angerichtet!

Frasier: Ich habe eine Scheibe Toast gegessen.

Martin: Ja, aber wieder ohne Teller. Du hast den Toast einfach auf der Anrichte bestrichen. [Niles setzt sich wieder an den Tisch] Du hast einen Haufen Krümel und Toastschwitzwasser hinterlassen!

Niles: Toastschwitzwasser?

Frasier: Ja, ja. Wenn du eine Scheibe heißen Toast auf eine Fläche legst, bilden sich zwangsläufig kleine Tropfen Kondenswasser. Hast du noch nicht Dad’s Vortrag über das unheilvolle Toastschwitzwasser gehört? Das ist die Geißel unserer Zeit!

Kellnerin: [kommt mit dem Kaffee] Einen Kaffee schwarz...

Martin, der immer noch tut, als sei er blind, tastet nach dem Kaffee. Die Kellnerin führt seine Hand zur Tasse.

Kellnerin: ... und einen koffeinfreien, fettarmen Simbabwe Latte.

Frasier: Ist etwa Zimt auf dem Schaum?

Sie nimmt auch diesen Kaffee wieder mit.

Frasier: [zu Martin] Da wir schon mal dabei sind, uns gegenseitig Kleinigkeiten vorzuhalten. Ich habe neulich wieder einen von Eddies Knochen in meinem Pulloverärmel gefunden und mein Lieblingspullover war mit seinen Haaren übersät. Ich weiß, dass er darauf schläft, wenn ich nicht zu Hause bin!

Martin: Selbst schuld, warum bewahrst du deine Pullover auch über seinem Körbchen auf?

Frasier: Wer hat denn das Körbchen von diesem verlausten Köter da hingestellt?!

Martin: Er hat gar keine Läuse mehr.

Niles: Ach, Dad, wie war das bei der Army?

Martin: Halt den Mund, Niles! Ach, lassen wir doch das Theater. Wenn meine Hüfte so gut ist, dass ich es bis hierher schaffe wird es Zeit, dass ich meine eigene Bleibe suche.

Niles: Wo willst du denn hin?

Martin: Oh, nur keine Sorge um mich, ich finde schon noch etwas. Ich hab’ ja auch noch einige Ersparnisse. Ich wollte ohnehin gar nicht erst bei dir einziehen. Das letzte was ich will ist, irgendjemandem zur Last zu fallen...

Frasier: [im Chor mit Martin] "…ist irgendjemandem zur Last zu fallen."

Martin: [zu Niles] Das ist die übliche Art mir zu sagen, dass er das alles schon gehört hat. Gut, du wirst es nicht wieder hören müssen! Komm her, Eddie. Sag’ Daphne, sie soll nachkommen, Niles.

Frasier: Dad, bitte, dieses kleine Melodrama machen wir einmal die Woche durch. Setz dich wieder hin, es gießt in Strömen!

Martin: Nein, nein. Und meinen Kaffee zahle ich auch selbst. Wie viel macht das?

Frasier: Ein Dollar Fünfzig.

Martin: Für Kaffee? In was für einer Welt leben wir eigentlich?

Martin verlässt das Café. Frasier geht auf die Toilette.

 

~*~

 

Akt 2

Niles steht am Tresen, wo Daphne gerade ihre Kaffeebohnen einpackt. Frasier kommt mit nassen Händen aus der Toilette.

Niles: Alles in Ordnung? Du warst ja eine Ewigkeit auf Toilette?

Frasier: Ich habe diese verdammte Handcreme ausprobiert. [wischt seine Hand an einer Serviette ab] Die ist so ölig, das ich den Türknopf nicht mehr fassen konnte, ich musste auf fremde Hilfe warten. Bis schließlich so ein Typ reinkam und sagte „Gott bin ich froh, Sie zu seh’n." Ich kann den Blick gar nicht beschreiben, den er mir zuwarf.

Ein Mann geht hinter Frasier zum Ausgang des Cafés. Frasier wirft ihm einen strengen Blick zu.

Frasier: Das ist er.

Niles und Frasier gehen zurück zu ihrem Tisch. Daphne folgt ihnen.

Daphne: So, ihr Bruder sagt, sie haben sich mit ihrem Vater mal wieder in der Wolle.

Frasier: Das ist doch nichts Neues.

Daphne: Ich weiß nicht, was mit ihm los ist. In letzter Zeit macht er immer ein Gesicht wie drei Tage Sauerkohl. Gestern als ich wollte, dass er wie sonst auch seine Hüfte dehnt und streckt sagt er ich könne mir die Füße hinter den Kopf stecken und wie eine Schaukel wippen. [Niles stellt sich das bildlich vor]

Frasier: Ach je, am besten lassen Sie ihn links liegen, wenn er sich so aufführt. Ist doch wahr Niles, oder? Niles?

Niles: [erwacht aus seinem Tagtraum] Tut mir Leid, Frasier. Auf einmal ist mir etwas schwindlig.

Daphne: Ach, ich sehe lieber mal wieder nach ihm.

Niles: Gut, oh, hier. [gibt ihr seinen Regenschirm] Nehmen Sie doch mein Tropfendach.

Daphne: Oh, das ist aber nett. Wenigstens einer, der meine Ausdrucksweise schätzt. [geht]

Niles: Ich habe immer ein Ohr für Ihren Zungenschlag.

Frasier: [streng] Ach, Niles!

Niles: Was hab’ ich gesagt? Möchtest du noch einen Kaffee?

Frasier: Vorher will ich noch meinen ersten, danke! [Niles signalisiert der Kellnerin, dass er noch einen Kaffe möchte] Wieso gibt es immer nur Ärger zwischen mir und Dad?

Niles: Ach je, versuch’ es doch mal von Dads Standpunkt aus zu sehen. Als Polizist hatte er mal große Autorität, das wurde ihm plötzlich genommen. Mit seinem Genörgel kompensiert er nur die Tatsache, dass er seinen Einfluss auf die Umwelt verloren hat.

Frasier: Ja, gut. Ich-ich kann mich auch in ihn hineinversetzen, aber ich kann nichts dafür. Aber ab und zu möchte ich ihm seinen Stock wegtreten und wünsche dann... dass er auf Eddie landet!

Niles: Tja, du gibst dir zwar viel Mühe mit ihm, aber es ist nicht leicht!

Frasier: Das stimmt! Und weißt du, manchmal sehe ich sogar die Früchte meiner Anstrengungen. Gerade neulich erst, Dad hat noch ferngesehen und ich war auf dem Sofa eingeschlafen und auf einmal spürte ich irgendeine Berührung am Kopf. Da stand Dad neben mir und streichelte mir übers Haar.

Niles: Dad?! Hat er was gesagt?

Frasier: Ja, ja, er sagte „es wird Zeit für einen Haarschnitt, du siehst aus wie Bozo der Clown!" Er wollte die Situation überspielen, aber was sagst du dazu?

Niles: Ein bisschen nachschneiden schadet nichts!

Frasier: Nein! Meinst du, dass er nur so getan hat?

Niles: Klar hat er nur so getan, du kennst doch Dad. Nach außen hin knallhart, doch innerlich ein einziger, riesiger Granitblock.

Die Kellnerin bringt ihm seinen Kaffee.

Niles: Grazie.

Frasier: Verzeihung bitte, wo bleibt mein Kaffee?

Kellnerin: Wir haben ein Team von Fachleuten drangesetzt. [geht]

Frasier: Sag’ was hältst du davon, wenn wir das Thema Dad lassen und von was ganz anderem reden?

Niles: Sehr gern, wählen wir ein anderes Thema, etwas leichtes und spritziges!

Frasier: Einverstanden. Bist du in Daphne verliebt?

Niles, der gerade getrunken hat, spuckt den Kaffee quer über den Tisch.

Frasier: So spritzig hab’ ich’s aber nicht gemeint!

Niles: Das ist vollkommen absurd! Ich lehne es ab, diese Frage zu beantworten.

Frasier starrt ihn an.

Niles: Ich weiß es nicht! Nun ist es raus! Zufrieden? Wieso hast du auch Venus persönlich eingestellt? Konntest du nicht eine osteuropäische Scheuerfrau einstellen, die nach Ammoniak stinkt?

Frasier: Ich wollte ja eine, aber in dem Jahr war Olympia. Die Agentur war ausgebucht.

Niles: Frasier, sie geht mir einfach nicht mehr aus dem Kopf. Wenn ich Daphne ansehe, erregt sie in mir eine Leidenschaft, die ich bisher überhaupt nicht kannte.

Frasier: Niles, denkst du etwa daran, Maris zu verlassen?

Niles: Auf keinen Fall!

Frasier: Na schön. Ich vermute, deine Situation sieht wie folgt aus. Du willst mit Maris zusammenbleiben und gleichzeitig eine Affäre mit Daphne eingehen.

Niles: Ja. Geht das denn?

Frasier: Nein, das geht nicht!

Niles: Dachte ich schon. Aber einen Moment lang hattest du die Hoffnung in mir erweckt. Ach, du hast es da leichter. Du bist frei, glücklich obendrein. Vielleicht bin ich da etwas zu voreilig, du hast meine Frage noch nicht beantwortet.

Frasier: Ich hab’ darauf geantwortet.

Niles: Hast du nicht und ich werde neugierig. Wie lautet die Antwort?

Frasier: Weißt du... am besten lässt es sich wohl so ausdrücken, dass ich dir zu verstehen...

Roz: [kommt herüber] Das macht mich fertig!

Frasier: Was ist passiert?

Roz: Da setzt man sich mit jemandem auf eine Tasse Kaffee zusammen, in der Hoffnung, dass man, dass man vielleicht etwas davon mitbekommt, was man das... ach ich weiß nicht, das Leben nennt. Und dann geht die Falltür auf und du fällst wieder dahin, wo du vorher warst. In die Welt von Roz!

Niles: Wie konnte die Sache gleich wieder auseinander gehen?

Roz: Hmm, ganz einfach. Er wollte gar nicht mit mir ausgehen, er wollte mich bekehren! Ich habe nichts gegen Leute, die religiös sind, mir ist egal ob sie Juden, Zeugen Jehovas oder Buddhisten sind. Ich bin ökumenisch, ich umarme Männer jeglichen Glaubens!

Frasier: Wenn es mal dabei bleiben würde.

Roz: Aber er hat so getan, als wolle er mich ausführen, gibt es nicht irgendein Gebot gegen so was?

Niles: Nein, um Rendezvous geht’s erst im Neuen Testament.

Frasier: Oh Roz, das tut mir aber sehr Leid. Setzen Sie sich zu uns!

Roz: Nein, nein, danke. Zurzeit arbeitet so ein süßer Handwerker in unserem Haus und ich dachte, ich schlüpfe schnell in ein Negligé und rupfe den Wasserhahn raus. [geht]

Frasier: Du denkst, dass sie Spaß macht, was? Weißt du, wenn ich so sehe wie Roz lebt, muss ich an mein eigenes Leben denken. Ich kann auch nicht gerade behaupten, dass ich viel Kontakt zu anderen habe.

Niles: Du findest schon jemand.

Frasier: Aber was, wenn nicht? Wenn ich alt und verlassen ende, kaufe ich mir dann auch einen wuschligen, kleinen Hund und ziehe womöglich bei Freddie ein? Ach, was soll ich mir jetzt schon deswegen Gedanken machen?

Niles: Frederick sollte sich schon mal Gedanken machen. Inzwischen könntest du vielleicht versuchen, mir endlich meine Frage zu beantworten. Bist du glücklich mit dir?

Frasier: Ich versuche, es dir einmal so zu sagen...

Martin: [kommt mit Eddie herein] Hallo, Jungs.

Niles: Ja, um Himmels Willen!

Frasier: Dad, was willst du denn wieder hier?

Martin: Ach, ich weiß nicht, ich... ich hab’ mich in den letzten Tagen wie ein Trottel benommen und mich an dir und Daphne abreagiert. Vergiss einfach das ganze Zeug, dass ich vorhin erzählt habe.

Frasier: Ist schon geschehen.

Martin: Na komm, Eddie.

Frasier: Dad, Dad warte noch. Dich bedrückt doch in letzter Zeit irgendwas?

Martin: Oh, eigentlich nicht, nein.

Frasier: Ich bitte dich, sag’s mir.

Niles: Wenn dich etwas bedrückt, dann sag’ es uns ruhig.

Frasier: Sag’ es uns, Dad, sag’ es.

Martin: Nein, es ist alles in bester Ordnung. Okay. Letzten Sonntag hatte ich Geburtstag.

Niles und Frasier sind beide bedrückt. Niles versucht, das zu überspielen.

Niles: Aber, natürlich, ja! Frasier und ich wollten eine große Überraschungsparty geben, aber wenn sie an deinem Geburtstag gewesen wäre, wäre es keine Überraschung gewesen, also haben wir eine Woche gewartet und nun... Überraschung!

Martin kauft ihm das nicht ab und Frasier starrt Niles entgeistert an.

Niles: Oh, wenn du jetzt dein Gesicht sehen könntest...

Frasier: Ach, gib’ es auf, Niles! Dad, ich, es tut mir Leid. Doch, komm her, setz’ dich zu uns!

Martin: Nein, nein-nein-nein, lass nur. Ich, ich, äh ich weiß gar nicht, warum euch das so aufregt. All’ die Jahre bei der Polizei habe ich oft genug eure Geburtstage vergessen. Da könnt ihr ruhig auch mal einen von meinen auslassen.

Frasier: Ach, na ja. Weißt du was, ich wüsste nicht, warum wir nicht doch noch feiern sollten. Wir führen dich heute abend zum Essen aus. Nur wir drei. Was sagst du dazu?

Martin: Nein, nein, das braucht ihr nicht. Wirklich nicht. Nein, nein.

Niles: Aber ja doch. Sag’ uns bloß, wohin du möchtest.

Martin: Okay, wie wär’s mit „Pablos Taco Paradies"?

Niles/Frasier: Oh, toll!

Martin: Hey, die haben drei Jahre hintereinander den Preis für das beste Burrito gewonnen.

Frasier: Ay caramba! [alle lachen]

Daphne: [kommt herein; zu Martin] Hier stecken Sie also. Ich habe Sie überall auf der Dritten Straße gesucht.

Martin: Ja, ich war auf der Vierten. Eddie hat auf der Dritten schon alles beschnüffelt. Woher wussten Sie eigentlich, dass Sie mich hier finden?

Daphne: Ich hatte eine meiner übersinnlichen Ahnungen. Peng! Da seh’ ich Sie wie Sie durch die Tür des Café Nervosa gehen. Und Sie beginnen sich dafür zu entschuldigen, wie Sie letzte Woche mit mir umgesprungen sind.

Martin: Ja, das tut mir wirklich sehr Leid, Daphne und, äh, vergessen Sie es einfach, ja?

Daphne: Und, äh, Sie sprechen auch noch von einer Gehaltserhöhung. [sieht Frasier an]

Martin: Jetzt improvisieren Sie aber, was?

Daphne: Bin ich so leicht zu durchschauen?

Martin: Nein, ich kann auch hellsehen. Na komm jetzt, Eddie. Und beeilen Sie sich auch, die Jungs wollen uns heute abend ins Taco Paradies zum Essen einladen.

Daphne: Oh toll, mexikanisches Essen. Das Essen ist prima, aber man weiß nie, ob der Koch von der Einwanderungsbehörde verhaftet wurde. [geht]

Frasier: Dad, ich würde dich ja fahren, aber ich muss noch zum Sender.

Martin: Ach lass nur, nein.

Niles: Nein-nein-nein ist schon gut, ich nehm’ sie mit.

Frasier: Ah.

Niles: Frasier, es war wie immer ein Vergnügen mit dir Kaffee zu trinken.

Martin: Worüber redet ihr die ganze Zeit?

Niles: Ach du weißt schon – Sport, Miezen, Monster-Truck Rennen...

Martin: Okay, lass es sein.

Niles und Martin gehen. Frasier wartet auf seinen koffeinfreien Simbabwe Latte mit fettarmer Milch und ohne Zimt auf dem Schaum. Die Kellnerin kommt mit einer neuen Tasse Kaffee an den Tisch.

Kellnerin: Simbabwe, koffeinfrei, fettarm und kein Zimt weit und breit. So, sind Sie nun glücklich?

Frasier: [beantwortet Niles’ Frage] Wenn ich es von einer höheren Warte aus betrachte... ja, ich würde sagen, ja.

Er trinkt seinen Kaffee.

 

~*~

 

Abspann

Frasier sitzt immer noch am Tisch. Er trinkt seinen Kaffee. Plötzlich nimmt er einen Löffel und beginnt unzufrieden in der Tasse herumzurühren. Er winkt der Kellnerin, die kommt herüber und nimmt auch diese Tasse Kaffee wieder mit.

 

 

---=== ENDE ===---


Bei diesem Skript handelt es sich um die Mitschrift der TV/DVD-Version dieser Folge (und nicht um ein Original Drehbuch). Alle Rechte verbleiben bei den jeweiligen Autoren und Produktionsfirmen der Serie.
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